Treffen der „jungen Xavières“

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Jedes Jahr beschäftigen sich die „jungen Xavières“, die noch nicht die ewigen Gelübde abgelegt haben, näher mit einem Thema. Dieses Jahr geht es um die Unterscheidung.

Im September haben sie eine Mappe mit Vorschlägen zu Artikeln und Hinweisen zu rückblicken bekommen. Zweimal pro Jahr treffen sich die „jungen Xavières“, um ihre Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema auszutauschen.

Mitte Januar bin ich (Coralie) für ein Wochenende nach Lyon gefahren, um an dem Treffen der „jungen Xavières“ von Europa teilzunehmen.

Wir haben mit einem Austausch über die letzten Monate begonnen: was hat uns Freude gebracht, was war hilfreich, was war schwieriger, was kommt für unser Leben in Frage?

Am Nachmittag haben wir in kleinen Gruppen gearbeitet. Wir mussten den Begriff „Unterscheidung“ für Menschen erklären, die nichts darüber wissen.

Am Sonntag haben ein Jesuit und ein Ehepaar darüber berichtet, wie sie die Unterscheidung in ihrem täglichen Leben erleben.

Wir haben auch an dem Gottesdienst in einer Gemeinde teilgenommen und die zusammen verbrachte Zeit genossen.

Die Weihnachtsseligpreisung!


Diese Geschichte, die ich euch heute erzähle, geschah vor langer Zeit, so dass niemand mehr weiß, wann es passierte. Von Generation zu Generation ist sie zu uns gekommen. Man kann höchstens sagen, dass es an Heiligabend geschah. Es wird gesagt, dass zu jener Zeit derjenige, der bei der Anbetung des Jesuskindes in der Krippe einen Wunsch aussprach, dieser erfüllt wurde.

Man weiß nicht, wie zwei Aussätzige in dieser Nacht in die Bethlehem-Krippe kamen. Zwei unglückliche Menschen, von der gleichen Art wie jene, die Jesus im Evangelium heilt, Lahme und Verkrüppelte, die wirklich niemanden anziehen, kamen also zur Krippe in der Hoffnung, dem Kind Jesus ihren Wunsch mitteilen zu können.

Ihre Ankunft in der Krippe blieb nicht ohne Aufsehen unter den Hirten, die sich um das Kind versammelt hatten. Sogar die Hunde hatten gebellt, als ob eine Gefahr drohte. Alle waren einen Schritt zurückgetreten. Aber an Heiligabend wurden Groll und Vorurteile vergessen, und die Herzen öffneten sich für diejenigen, die gewöhnlich aus Angst oder Ekel abgelehnt wurden. Schließlich war es Heiligabend, und diese beiden hatten das gleiche Recht, Jesus anzubeten, wie alle anderen.

Unsere beiden Aussätzigen standen vor der Krippe. Der erste beugte sich zum Kind und sagte: „Ich möchte, dass du mich von meiner Lepra und all meinen Wunden heilst, auch den tiefsten und den am besten verborgenen meines Herzens. Sie hindern mich daran, dir zu dienen, und wenn du mich heilst, dann werde ich dir voll und ganz dienen. Ich werde nicht mehr an mich selbst denken müssen und ich werde den Menschen, denen ich begegne, sagen können: Jesus ist wirklich unser Retter, schaut mich an, hörtet, was ich war, und sehet, was ich heute bin. „Und der Aussätzige wurde geheilt.

Der zweite Aussätzige wiederum näherte sich der Krippe, und aus Aufregung fiel er fast auf das Kind. Wir wissen nicht, durch welches Wunder er sein Gleichgewicht wiedererlangte. Die ganze Versammlung hielt den Atem an: alle hatten Angst gehabt.

„Herr Jesus“, sagte er nach einer endlosen Stille, „darf ich dich fragen, was mir mein Herz vorschreibt? Ich bitte dich nicht um Heilung. Nein, nur, wenn es deiner Herrlichkeit dient. Ich bitte dich auch nicht, mein Leiden und meine Krankheit zu behalten… »

Er schwieg noch einige Augenblicke. Aber warum bat er nicht um Heilung? Einige dachten: Was für ein Dummkopf, was für ein Narr, und sie machten sich über ihn lustig. Die anderen hatten Mitleid: Armer Mann, er wird seine Chance verpassen. Aber jeder fragte sich, um was er bitten würde?

„Ich möchte“, fuhr er fort, „meine Hand auf deine, mit dem Nagel durchbohrte Hand legen »

Da das Jesuskind noch zu klein war, um ihm zu antworten, sagte Maria, natürlich solle er sich nähern und seine Hand auf die des Kindes legen. Und der Aussätzige legte seine Hand, seine große, schwere, offene Hand, die bereits die Spuren der Krankheit trug, auf Jesu Hand, Handfläche gegen Handfläche, und er flüsterte nur: „Warum?“. Der Aussätzige ging schweigend mit seiner Lepra zurück, auf seinem Antlitz aber glänzte ein Licht, das nicht von hier unten kam. Sogar seine Hässlichkeit wurde schön, eine Träne lief über seine Wange.

Der erste Aussätzige war geheilt, er hatte erhalten, was sein Herz begehrte, aber sein Herz war glatt und hart geworden, wie die glatte Wand eines Felsens, unverwundbar, so sehr, dass niemand mehr daran festhalten oder sich hinein kuscheln konnte. Er brauchte niemanden mehr, der ihn tröstete, er hatte den Geschmack der Tränen vergessen. Das Leiden war ihm fremd geworden. Obwohl er mit Überzeugung zu demjenigen, der litt, sagte: „Dein Gott rettet dich“, hörte er den Schrei der Menschen in seinem Fleisch nicht mehr… Ihre Tränen konnten seine nicht mehr erreichen, weil er keine mehr hatte. Wir wissen nicht, was danach mit ihm passiert ist. Wir haben nie wieder von ihm gehört.

Der zweite Aussätzige saß wieder am Straßenrand, wo er zuvor gewesen war. Dort saß er den ganzen Tag und wartete darauf, von den Passanten zu bekommen, was er zum Leben brauchte. Er hatte ja sein ganzes Leben lang gewartet. Er war daran gewöhnt, allein zu sein und den ganzen Tag zu warten. Aber er wusste seit dieser Weihnachtsnacht, dass derjenige, auf den er wartete, gekommen war, dass er da war. Es reichte ihm aus, an die vom Nagel durchbohrte Hand des Kindes zu denken, an die Handfläche Jesu gegen seine eigene und schon war sein Warten von tausend Sternen erhellt. Eines verärgerte ihn jedoch: Er hätte das Geschenk, das er am Heiligabend bekommen hatte, gerne mit jemandem geteilt, aber niemand kam zu ihm wegen seiner Lepra.

Eines Tages ging ein Kind auf dem Weg dorthin vorbei, es weinte und schluchzte so sehr, dass der in seinen Gedanken versunkene Aussätzige zusammenzuckte. Er sagte zu ihm: „Du weinst, hast du Schmerzen? „. Das Kind antwortete mit einem Schweigen und nickte, und der Aussätzige antwortete mit einem Schweigen. Das Kind kuschelte sich so plötzlich an den Aussätzigen, dass er keine Zeit hatte, ihn wegzustoßen. Beide schwiegen. Der Aussätzige hatte nicht gesagt: „Trockne deine Tränen, es ist nichts“. Er fing an, mit dem Kind zu weinen. Seine Tränen vermischten sich mit denen des Kindes, und immer noch ohne ein Wort zu sagen, legte er seine Hand, diejenige, die die durchbohrte Hand Jesu berührt hatte, auf die Hand des Kindes, Handfläche gegen Handfläche, und das Gesicht des Kindes wurde von der Weihnachtsseligpreisung erhellt, die sich sogleich auf dem Gesicht des Aussätzigen widerspiegelte.

Das Kind war wieder weg. Er hatte von der Milde seiner Begegnung mit dem Aussätzigen erzählt, und andere Menschen waren zu ihm gekommen. Der Aussätzige ließ ganz einfach alles Leiden bis zu seinem eigenen Leiden kommen, und derjenige, der seine Hand auf die des Aussätzigen legte, Handfläche gegen Handfläche, erhielt still und leise eine Seligpreisung, entsprechend seinem Leiden. Jeder behielt seine Wunde bis in die Tiefe seines Seins: sie wurde aber zur Öffnung des Herzens und zum Durchgang der Liebe.

Wenn du jemals den Aussätzigen triffst, zögere nicht, dich neben ihn zu setzen. In Stille oder in Tränen. Auch du wirst eine Seligpreisung erhalten, die der Wunde deines Herzens entspricht.

                                                                                      Françoise Alexandre

                                                                                                         

Franz Xaver für heute und alle!

Glückwunsch zu diesem schönen Fest !

Christus am Kreuz im Xavers Schloss

Wie gewöhnlich feiern wir dieses Fest mit unseren Brüdern den  Jesuiten. Dieses Jahr war es viel einfacher. Kein besonderes Treffen oder anstrenge Vorbereitung. Das fand   in der Manresa Messe statt, die  15 Jahre feierte.

Eine schön und kontemplative Messe für den 1. Sonntag im Advent mit vielen indischen jungen Menschen haben wir erlebt. Ein Geschenk der Gnade Gottes!

Anschließend war das Treffen mit allen um einem Buffet herum sehr nett und bereichernd.


Franz Xavers berühmtester Brief ist noch heute sehr aktuell. 
Man kann tatsächlich ihn  mit unseren pastoralen Orientierungsrahmen (POR) vergleichen.

Franz Xavers Brief

„Wie viele Bekehrungen bleiben wegen des Mangels an Helfern, die sich des heiligen Werkes annehmen, in diesen Ländern noch zu wirken! Es packt mich, wie oft, das Verlangen, in die Universitäten Europas zu stürmen, schreiend mit lauter Stimme, wie einer, der nicht mehr bei Sinnen ist; vor allem in Paris wollte ich’s alle hören lassen, deren Wissen größer ist als der Wunsch, hiervon guten Gebrauch zu machen; vor versammelter Sorbonne wollte ich’s ihnen zurufen: wie viele Seelen vom Wege des Heiles abkommen durch ihre Schuld, wie viele Seelen verloren gehen durch ihre Gleichgültigkeit! Wenn sie mit gleichem Eifer, den sie den Studien zuwenden, auch jene Rechenschaft überdenken würden, die Gott, unser Herr, dereinst von ihnen fordern wird, […] – wie viele von ihnen müssten erschüttert sein! Sie würden die Mittel zu ihrem Heile ergreifen, sie würden geistliche Übungen halten, diese Übungen, ausersehen, sie im Innersten ihrer Seele den heiligen Willen Gottes erkennen zu lassen und ihn zu begreifen in seiner Tiefe. Und sie würden sich diesem göttlichen Willen fortan bereitwilliger als ihren eigenen Neigungen hingeben, sprechend: ‚Herr! Siehe, hier bin ich. Was willst Du, dass ich tun soll? Sende mich, wohin Du willst, und wenn es gut ist, selbst bis nach Indien!‘“

POR, Nr 4

„Unsere Mission beschreitet ungewöhnliche Wege. Wir lassen uns dabei von Jesu Ruf nach Umkehr leiten. Er ermutigt uns grösser und weiter zu denken. Nur durch Abenteuerlust und Mut wird Neues entstehen“.