Anlässlich des Welttagsgebetes für die Berufungen

Am 11. und 12. Mai lädt die ganze Weltkirche ein, für die Berufungen zu beten. Unser Bistum ist dabei. Von Sonnabend 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr kann jede, jeder sich eintragen zum beten.

Das Zentrum für Berufungspastoral hat unsere Mitschwester Nathalie Becquart, die sechs Jahre lang als Direktorin des Nationalen Büros für die Evangelisierung der Jugend und für Berufungen bei der Französischen Bischofskonferenz gearbeitet hat.
Diese Aufgabe endete im August 2018. Im Oktober 2018 nahm sie, auf Einladung von Papst Franziskus, als Auditorin an der Bischofssynode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung” in Rom teil.

Hier ist der Link zum Zentrum für berufungspastoral:
http://www.berufung.org/material/wh-berichte-05/

Sr. Nathalie, Sie haben sechs Jahre lang für die Berufungspastoral in Frankreich gearbeitet. Mit welchen Themen haben Sie sich in dieser Zeit hauptsächlich beschäftigt?
Sr. Nathalie: Das war zuerst die aktuelle Jugendkultur, die ich als postmodern-digital bezeichnen würde. Man kann den jungen Menschen nicht bei ihrer Berufungsfindung helfen, wenn man die Welt nicht versteht, in der sie leben. Wir müssen ihre konkrete Realität kennen, ihre Sprache, ihre Codes, ihr Verhalten. Wir müssen wissen, wonach sie sich sehnen und wonach sie fragen. Das Wort „Berufung“ wird oft falsch verstanden und vieldeutig verwendet. Wir haben uns deshalb viel mit der Theologie der Berufung beschäftigt, um zu einer christlich-katholischen Deutung von Berufung und Berufungspastoral zu kommen.
Außerdem ging es uns darum, konkrete Vorschläge und Hilfsmittel zu entwickeln und vorzuhalten, die helfen, eine Kultur der Berufung zu schaffen und die verschiedenen Berufungen zu fördern, insbesondere die Berufung zum Priester und zum Geweihten Leben.

Worin liegen in der nahen Zukunft die größten Herausforderungen für die Berufungspastoral?
Sr. Nathalie: Zuerst geht es darum, allen dabei zu helfen, das ganze Leben als Berufung wahrzunehmen und zu erkennen, dass jeder einen einzigartigen Ruf hat. Jeder ist berufen, zu entdecken, wie man glücklich wird, indem man den anderen liebt, ihm dient und ihn glücklich macht. Papst Franziskus hat das in Evangelii Gaudium (Nr. 273) auf den Punkt gebracht:  „Ich bin eine Mission auf dieser Erde.“ So gesehen besteht die größte Herausforderung darin, die Verantwortlichen in der Jugend- und Berufungspastoral zu Berufungsbegleitern auszubilden, damit sie den jungen Menschen dabei helfen können, ihre Berufung zu erkennen und ihren Platz in der Kirche und in der Gesellschaft zu finden. Das bedeutet aktuell, Ausbildungsgänge für eine geistliche Begleitung zu entwickeln, die den Jugendlichen hilft, in aller Freiheit eine Berufungsunterscheidung vorzunehmen. Denn viele junge Menschen fragen sich, was das Ziel ihres Lebens ist und wie sie eine gute Wahl treffen können.

Sie haben im Oktober 2018 an der Synode in Rom teilgenommen. In welcher Funktion waren Sie dort? Was haben Sie konkret gemacht?
Sr. Nathalie: Die Synode war großartig. Es war menschlich, spirituell und kirchlich eine tolle Erfahrung, dort die Bischöfe und Jugendlichen aus der ganzen Welt zu treffen. Papst Franziskus hatte mich als Auditorin nominiert. Insgesamt waren wir 49 Auditoren, davon 35 Jugendliche und sechs Ordensleute. Wie die Bischöfe durften wir im Plenum das Wort ergreifen und uns in der Kleingruppenarbeit, den circuli minori, einbringen. Konkret haben wir viel zugehört, um die Realität und die Lebenssituation der jungen Menschen heute besser zu verstehen. Wir haben viel über die Schlüsselworte der Synode „Glaube, Berufung, Unterscheidung und Begleitung“ nachgedacht und Wege einer Berufungspastoral für Jugendliche erkundet. 

Welcher Aspekt der Synode war für Sie der wichtigste? Über welches Ergebnis haben Sie sich besonders gefreut?
Sr. Nathalie: Wir haben ein neues Pfingstfest erlebt, einen neuen missionarischen Geist, der der Kirche helfen kann, für die jungen Menschen auf der Welt von heute da zu sein. Wir haben verstanden, dass die Jugend die Kirche erneuern kann, in dem sie ihr eine neue Jugendlichkeit geben und missionarischer Motor sind. Deshalb geht es darum, den jungen Menschen zuzuhören, ihnen Raum zu verschaffen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie auf allen Ebenen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Die Gemeinschaft der Xavière-Schwestern ist in Deutschland nicht sehr bekannt. Was ist das Charisma Ihres Ordens?
Sr. Nathalie: Unsere apostolische Ordensgemeinschaft wurde 1921 in Frankreich gegründet. Unsere Spiritualität ist ignatianisch. In gewisser Weise sind wir eine weibliche Variante der Jesuiten, denen wir nahestehen. Unser kompletter Name lautet: Xavière, Missionarinnen Jesu Christi. Die Mission spielt bei uns eine wichtige Rolle – Mission in den verschiedensten Ausprägungen, wie z.B. in einer Tätigkeit als pastoral Verantwortliche in der Kirche. Ein wichtiger Aspekt unseres Charismas ist es, Verbindungen herzustellen zwischen der Kirche und denen, die ihr fern sind. Wir wollen dorthin gehen, wo unseren Zeitgenossen sind, um ihnen zu begegnen und Christus zu verkünden. Unsere Devise lautet: „Begeistert von Christus, begeistert von der Welt.“ Dort, wo wir sind, versuchen wir, auf Einheit und Versöhnung hinzuwirken. 

Wie alt waren Sie, als Sie sich für die Gemeinschaft der Xavière-Schwestern entschieden haben?
Sr. Nathalie: 26 Jahre. Nach meinem Studium an einer Handelsschule war ich ein Jahr als Freiwillige in Beirut im Libanon, und dann habe ich noch zwei Jahre als Beraterin im Bereich Marketing-Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet, bevor ich eingetreten bin (1995).

Gab es ein Ereignis, das diese Entscheidung beeinflusst hat?
Sr. Nathalie: Am Ende meines Studiums habe ich mit der Studentengemeinde an einem Gebetswochenende in einem ignatianischen Zentrum teilgenommen. Dort habe ich im Gebet erlebt, dass mich Christus sehr persönlich angesprochen hat. Das hat mich dafür geöffnet, voller Vertrauen auf seinen Ruf zu hören. Dann war da das freiwillige Jahr in Beirut, wo ich in einer Schule Kinder unterrichtet habe, die nichts anderes als den Krieg kennengelernt hatten. Dort spürte ich, wie reich beschenkt ich dagegen war und dass das sinnlos wäre, wenn ich nicht auch etwas zurückgebe. Ich habe eine so intensive Erfahrung der Liebe Gottes zu mir gemacht, dass der Wunsch in mir gewachsen ist, ihm als Ordensfrau mein Leben zu schenken.

Welche Person hat Sie besonders geprägt?
Sr. Nathalie: Im Libanon habe ich junge Ordensleute getroffen, die mir einen anderen Blick auf das Ordensleben ermöglicht haben, denn bis dahin hatte ich eher klischeehafte Vorstellungen davon. Durch ihre Freude, ihr Zeugnis, dadurch, dass sie so durch und durch menschlich und in der Welt verankert waren, haben sie mir gezeigt, dass ein solches Leben möglich und schön sein kann. Einigen von ihnen ist es zu verdanken, dass der Ruf Gottes mich erreicht hat.

Welches Bild sehen Sie, wenn Sie an Berufung denken?
Sr. Nathalie: Berufung ist ein Geheimnis und  ein Abenteuer – das Abenteuer, Christus bis in die österliche Wandlung zu folgen, das Abenteuer der Weite, denn Christi Ruf nimmt uns immer weiter mit, als wir es uns vorstellen können. Berufung ist ein dynamisches Geschehen. Solange wir leben, werden wir unsere Berufung niemals vollkommen erkennen. Im Lauf der Zeit werden wir den besonderen Ruf Gottes an uns persönlich jedoch besser erkennen. Ein Bild, das von der Berufung erzählt, ist eines des Übergangs, das Bild eines Schiffes, das in die Weite des Ozeans steuert.

Was sagen Sie einer jungen Frau, die darüber nachdenkt, Mitglied in Ihrer Gemeinschaft zu werden?
Sr. Nathalie: Zuerst kann sie auf unserer Internetseite www.xavieres.org einiges über uns erfahren. Dann würde ich ihr raten, einige Zeit in einer unserer Gemeinschaften mitzuleben. In Deutschland haben wir z.B. seit sechs Jahren eine Kommunität in Hamburg. Wie andere Gemeinschaften auch bieten wir Wochenenden an, an denen man uns kennenlernen kann. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, eine gute geistliche Begleitung zu haben und Exerzitien zu machen, um in der Geistlichen Unterscheidung besser zu werden.

Welches ist Ihr Lieblingsgebet?
Sr. Nathalie: Ganz besonders liebe ich das Gebet von Ignatius von Loyola am Ende seiner „Geistlichen Übungen“. Dieses Gebet bringt alle meine Gebete auf den Punkt:
„Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurück und überlasse alles dir, dass du es lenkst nach deinem Willen. Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade. Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter.“

An welchem Ort beten Sie am liebsten?
Sr. Nathalie: In der Kapelle unserer Gemeinschaft. Egal, ob eine unserer Gemeinschaften in einer Wohnung oder in einem großen Haus lebt, – wir wählen immer das schönste Zimmer aus, um dort die Kapelle einzurichten, und statten es sorgfältig liturgisch aus. Dieser schöne Rahmen unseres Gebetslebens, wo wir uns täglich treffen, um Laudes und Vesper zu beten, hilft mir auch in den Zeiten

Ein Österlicher Ausflug nach Buxtehude

An einem wunderbaren Ostermontag haben wir Buxtehude entdeckt. Eine so hübsche Kleinstadt!

Wir wussten schon, dass diese Stadt für das Märchen des Hasen und des Igels berühmt war und wir haben viele Spuren davon gefunden…

Wir haben auch dank einer sehr guten Stadtführung gelernt, dass solche Häuser eine Lebkuchenfassade haben!

Aber vielleicht ist uns die Kirche St Petri noch mehr aufgefallen. Die Führerin hat uns erzählt, dass die Stadt von den Holländern besaßen wäre. Da die Glocken „Hund“ in Holländisch heißen und bellen statt zu lauten, ist Buxtehude der Ort wo die Hunde mit dem Schwanz bellen!

Diese Kirche ist für die Kleinstadt riesig und war sicher noch riesiger im XIII. Jahrhundert. Die Art und Weise des gotischen Baus wurde ausgesucht, weil es modern und elegant war und das Licht brachte.

Diese Kirche hat vieles mit St Petri in Hamburg gemeinsam. Aber sie wurde weniger verletzt als in Hamburg, so dass die Schönheit noch größer ist!

Und was es uns geprägt hat: Diese Kirche konnte mit dem Geld der Bürger nicht aufgebaut werden. Sie haben von Rom und von ganz Europa das Geld bekommen. Und die Führerin sagte, dass sie für diese mittelalterliche Europa sehr dankbar sei, weil ohne diese Hilfe, hätten wir heute keine solche Kirche! Und natürlich hat sie diesen Zustand mit diesem von Notre Dame de Paris nach dem Brand verglichen.