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Sr Beatrice und Claire-Ceciles Abschied

Am Sonntag, den 27.September 2020, am Ende der hl. Messe im St Paulus Billstedt, haben Sr Beatrice und Claire-Cécile abwechselnd diese Ansprache gehalten:

Wie Sie es wissen, verabschieden wir uns heute.

Wir haben versprochen, Ihnen mitzuteilen, welche neuen Aufgaben uns in Frankreich erwarten.

Sr Béatrice: Ich habe schon am 1. September in Salvert meine neue Arbeit angefangen. Ich komme für die Verabschiedung nur ein paar Tage zurück in HH!

Salvert ist ein Ort direkt an Poitiers, ein riesiges Grundstück mit Ackern sogar. Da stehen Kindereinrichtungen in kleinen Holzhäusern – für Kinder die nicht mehr bei der Familie bleiben können oder dürfen -, eine Montessori-Schule – ohne Einkommensbedingungen, ein Bio-Bauernhof, ein Schloss, in dem Menschen ohne andere Lösung wohnen, ein Zentrum für minderjährige Flüchtlinge und noch mehr.

Die Leiter kennen mich von meiner Weiterbildung als Führungskraft im Sozialbereich und haben mich ins Leistungsteam gerufen. Sie vertrauen mir u.a die Einrichtungen für Flüchtlinge an und die Entwicklung der Integration durch Arbeit für die aufgenommen Menschen z. B. im Schloss. Da sind auch Ordensschwestern, von einer anderen Kongregation, und ich wohne vor Ort und mache Gemeinschaft mit den Schwestern, den Ehrenamtlichen und den Laien, die auch vor Ort wohnen. Dieser Lebensstil ist schon per se innovative, er muss sich noch finden.  

Sr Claire-Cécile: Ich bin in Toulouse ausgesandt, wo vier andere Xaviere Schwestern mich erwarten. Die Gemeinschaft wohnt in der Nähe der Kirche St Franziskus von Assisi, ein bisschen wie in Billstedt.

Als Arbeit werde ich als pädagogische Koordinatorin in einer von den Jesuiten gegründeten Schule für Ingenieure Institut catholique d’arts et métiers (ICAM). Dort werden Studenten für ihr Arbeitsprojekt während ihrer fünf Jahren mit der ignatianischen Pädagogie begleitet. Ich werde auch die Dozenten ausbilden. Diese Aufgabe ist ganz neu aber ich finde, dass Gott Humor hat. Es ist, als ob Gott die roten Pfaden gestrickt hätte! Und interessanterweise ist meine Arbeit mit den Studenten in der TU die Technische Universität Hamburg mit dieser Schule verbunden. In der Katholischen Hochschulgemeinschaft (KHG) habe ich viele Studenten aus verschiedenen Städten mit einer ICAM im Erasmussemester begleitet.

Wie Sie es sehen, sind es schöne und interessante Aufgaben, schöne Projekte, und darüber freuen wir uns sehr.

Aber wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nach 8 Jahren für Béatrice und 5 Jahren für Claire-Cécile sind wir traurig, Hamburg zu verlassen.

Auch trotz der zum Teil schwierigen Zeiten war es eine schöne und sowieso ereignisreiche Erfahrung, mit der wir gewachsen sind und die uns sehr geändert hat und für die wir sehr dankbar sind.

Insbesondere hier in Billstedt St Paulus.

Wir sind immer herzlich aufgenommen worden. Wir wollen Pfarrer Albrecht unbedingt erwähnen, aber auch Ulrike Rudowitz, die ehemalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, die so plötzlich gestorben ist – ich erinnere mich noch an ihren Vortrag, um uns willkommen zu heißen -, das aktuelle Team um Irja Warns herum und Pfarrer Felix Evers – und seine Begeisterung -, Pater Jose und Kaplan Bork, Renate Schmidt. Wir wollen noch die Hausmeister Warzeneck für ihre Hilfsbereitschaft danken und genauso die Seniorengruppe und derer Leitungsteam, hier oder in Mümmelmannsberg, dessen Freundlichkeit immer so ein Trost für uns war, und so viele noch.

Die Gefahr ist dass wir jemanden zu nennen vergessen. Aber ich würde sagen, Ihnen allen danken wir herzlich. Wir waren viel beruflich anderswo beschäftigt, aber all das was wir hier zusammen erlebt haben – Firmkursvorbereitung, Nacht der Kirchen 3 Mal, Fastenzeitsabende, Einkehrtag, Feier, alltägliche Treffen, Eucharistien – sind wertvolle mit Ihnen geteilte Augenblicke und bleiben in unserer Erinnerung.

Wir freuen uns auch, dass heute ein paar Freunde außer Billstedt zu unserer Verabschiedung noch dazu gekommen sind, manchmal von weitem, manche nicht unbedingt Katholiken oder gläubig sogar. Diese Freundschaft wärmt uns das Herz.

Nochmal danke für alles und Gottes Segen. Wir beten weiterhin für die Gemeinde in Billstedt, die zurzeit vielen Änderungen ausgesetzt wird.

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Eine Meditation für die Sommerferien in der Natur

Es gibt nichts Schöneres als einen Baum“, sagt Alain Le Goff.

Der arme Mann hat keinen eigenen Baum, aber alle, die er mit eigenen Augen sehen kann, sind seine Komplizen im großen Spiel der Schöpfung. Es gibt einige, die ihm besser gefallen als andere. Sie sind nicht die triumphierendsten, sondern diejenigen, die im wilden Wind ums Überleben kämpfen. Er besucht sie im Winter, wenn sie kahl sind.

– Siehst du nur, wie sie arbeiten“, sagt er.

– Und was machen sie, Opa?

-Sie verbinden die Erde mit dem Himmel. Es ist sehr schwierig, mein Sohn. Wenn es keine Bäume gäbe, würde er sich verabschieden. Dann müssten wir einfach sterben. Gott bewahre uns!

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-Aber es gibt Länder, in denen kein Baum wächst. Ich habe es in der Schule gelernt. Sie werden Wüsten genannt.

-Ja eben mein Sohn. Dort gibt es keinen Menschen. Der Himmel ist herabgestürzt.

Ich tue so, als würde ich nicht verstehen. Er zündet seine Pfeife an und lächelt. Niemand hat je so gelächelt wie Alain Le Goff.

-Und deshalb sind die Menschen auf der Erde so unglücklich.

Er schlägt mit geöffneter Handfläche auf den rauen Rumpf.

– Du siehst, es ist ein großes Seil, der Stamm des Baumes. Manchmal sind sogar Knoten drin. Die Litzen des Seils lockern sich an jedem Ende, um sich an Himmel und Erde festzuhalten. Sie werden oben als Äste und unten als Wurzeln bezeichnet. Aber es ist alles dasselbe. Die Wurzeln finden ihren Weg in den Boden, so wie die Zweige ihren Weg in den Himmel finden.

– Aber es ist schwieriger in die Erde als in den Himmel einzudringen !

-Auf keinen Fall! Wenn das wahr wäre, wären die Zweige gerade. Und siehst du, wie verbogen sie hier am Apfelbaum sind! Sie müssen ihren Weg finden, das sage ich dir. Sie wachsen, der Himmel wehrt sich, sie wechseln die Richtung, so oft es nötig ist. Sie haben es schwer, weißt du. Vielleicht schwerer als die Wurzeln da unten.

– Und was tut ihnen so weh, Großvater?

– Es ist der Wind, der miese Wind. Der Wind will den Himmel von der Erde trennen, schiebt seine Zunge dazwischen… Und dahinter wartet das Meer darauf, es zu bedecken. Aber die Bäume stehen auf beiden Seiten. Die gesegnete Sonne hilft den Zweigen, während der Regen die Wurzeln tröstet. Was für ein Kampf, mein Sohn! Es hört nie auf, zu kämpfen, in dieser Welt.

– Was ist dann mit uns, was sollen wir tun?

– Den Baümen vertrauen, gegen den Wind.

Das Lächeln auf Alain Le Goffs Gesicht ist so friedlich, dass ich kaum glauben kann, dass die Welt das Feld eines Kampfes zwischen den Naturkräften ist.

Pierre Jakès Hélias, Das Pferd des Stolzes

Übersetzung von Sr. Françoise

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Pfingsten und das Erlernen einer Sprache


Pfingsten. Ich meditierte heute Morgen früh über das Pfingstereignis in der Apostelgeschichte, wie die Apostel nach dem Kommen des Heiligen Geistes in anderen Sprachen zu reden begannen, wie jeder in Jerusalem sie in seiner Sprache reden hörte und sich fragte :“ Wieso kann jeder von uns sie in seiner Muttersprache hören?“

Es brachte mir dazu, an meine Erfahrung angesichts meines Umzugs nach Deutschland als Französin zu denken und an mein Erlernen der deutschen Sprache. In Zungen reden ist nicht für alle zugänglich. Paulus sagt es in dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 14, 5): „Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, baut die Gemeinde auf. „Wer prophetisch redet, ist größer“, fügt er hinzu. Aber was heißt prophetisch reden?

Die Worte von François Cheng, einem französisch-chinesischen Schriftsteller kamen mir wieder in Erinnerung. „Warum sollte es uns überraschen, dass das Erlernen einer Sprache ein wesentlicher und komplexer Prozess ist? Mehr als nur eine Frage des Gedächtnisses muss man Körper, Geist, die gesamte Verstandes- und Vorstellungsfähigkeit mobilisieren, da man nicht eine Reihe von Wörtern und Regeln lernt, sondern eine Art zu fühlen, wahrzunehmen, zu argumentieren, unvernünftig zu sein, zu fluchen, zu beten und schließlich zu sein.“

„Jeder Exilant kennt am Anfang die Qualen des Verlassens, des Elends und der Einsamkeit. Hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach der Vergangenheit und dem rauen Zustand der Gegenwart erlebt er ein „stilleres“, demütigenderes Leiden, das ihn plagt: Da er die Sprache seiner Wahlheimat nur rudimentär beherrscht, sieht er sich in den Augen der Menschen zu einer beschränkten Person herabgesetzt. Indem er Wörter oder Sätze benutzt, die manchmal nur annähernd, radebrechend sind, die nicht in der Lage sind, eine klare und kohärente Erzählung zu liefern, erweckt er den Eindruck, als ob er keine Gedanken oder gar keine Gefühle hätte“. François Cheng, Le Dialogue, une passion pour la langue française, DDB, 2002

Akkulturation bedeutet eine neue Geburt, einen Neuanfang, der es erfordert, dass ich mich von etwas löse, um ein neuer und anderer Mensch zu werden. Es erfordert Zeit, Ausdauer und Geduld. Jeden Tag.

Auf der Ebene des Glaubens hilft mir die Betrachtung der Menschenwerdung Jesu Christi. Das Wort, das am Beginn der Welt da war, ist Fleisch geworden. „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“ Ph 2, 6-7. Das Wort am Beginn der Welt lernt wie jeder eine menschliche Sprache, er lernt bei seinem Vater Josef und seiner Mutter Maria die Geste des Alltags, die Worte des Gebets, einen Beruf.

Dies zu betrachten, tröstet mich und die Gegenwart Jesu in dem Prozess der Akkulturation, gibt mir Mut täglich weiterzugehen. Lesen, Vokabel lernen, Grammatik üben ist die erste, ganz bescheidene Phase des Zeugnisses, im Namen Jesus und für seine Herrlichkeit, als Antwort auf seine Liebe zu mir, zu allen.

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