Ein Österlicher Ausflug nach Buxtehude

An einem wunderbaren Ostermontag haben wir Buxtehude entdeckt. Eine so hübsche Kleinstadt!

Wir wussten schon, dass diese Stadt für das Märchen des Hasen und des Igels berühmt war und wir haben viele Spuren davon gefunden…

Wir haben auch dank einer sehr guten Stadtführung gelernt, dass solche Häuser eine Lebkuchenfassade haben!


Aber vielleicht ist uns die Kirche St Petri noch mehr aufgefallen. Die Führerin hat uns erzählt, dass die Stadt von den Holländern besaßen wäre. Da die Glocken „Hund“ in Holländisch heißen und bellen statt zu lauten, ist Buxtehude der Ort wo die Hunde mit dem Schwanz bellen!

Diese Kirche ist für die Kleinstadt riesig und war sicher noch riesiger im XIII. Jahrhundert. Die Art und Weise des gotischen Baus wurde ausgesucht, weil es modern und elegant war und das Licht brachte.

Diese Kirche hat vieles mit St Petri in Hamburg gemeinsam. Aber sie wurde weniger verletzt als in Hamburg, so dass die Schönheit noch größer ist!

Und was es uns geprägt hat: Diese Kirche konnte mit dem Geld der Bürger nicht aufgebaut werden. Sie haben von Rom und von ganz Europa das Geld bekommen. Und die Führerin sagte, dass sie für diese mittelalterliche Europa sehr dankbar sei, weil ohne diese Hilfe, hätten wir heute keine solche Kirche! Und natürlich hat sie diesen Zustand mit diesem von Notre Dame de Paris nach dem Brand verglichen.

Claire Monestès

Unsere Gründerin in zehn Datenjahren

1898

An ihrem 18. Geburtstag ist Claire die beste Partie von Chambéry, ihrer Heimatstadt. Sie ist behütet im Schatten des Croix du Nivolet, einem Gipfel, der die Stadt überragt, aufgewaschen. Aber plötzlich kommt der erste Bruch ihres Lebens : die Bank ihres Vaters geht bankrott.

Um ihrer Familie zu helfen, wird Claire Französischlehrerin an einer Schule der Sacre Coeur Schwestern in Dublin, Irland. Nach zwei Jahren kehrt sie nach Frankreich zurück, aber nicht nach Chambéry, sondern nach Marseille, wohin ihre Familie umgezogen ist, ihr Vater hoffte, dort Arbeit zu finden.

1904

In Marseille entdeckt sie eine für sie unbekannte Welt : Die Welt der Arbeiterklasse. Durch ihre Begegnungen nimmt sie soziale, aber auch spirituelle Bedürfnisse wahr.

1906

Als sie in der Fastenzeit die Predigt von Pater Eymieu, einem Jesuiten aus Lyon, hört, fühlt sie, dass sie vielleicht auch von Christus dazu berufen ist, ihm ganz zu folgen. So nimmt er den ganzen Raum in ihrem Leben ein. Aber wie kann sie sich in Frankreich engagieren, als das Land sich inmitten einer Trennung von Kirche und Staat befindet und die Ordensleute aus dem Land ins Exil geschickt werden?

1910

Sie folgt ihrer Familie nach Genf. Sie beginnt, sich mit Musik und intellektueller Arbeit zu beschäftigen : Sie erhält den zweiten Orgelpreis am Konservatorium und sie liest mehr als 400 Titel an der Universitätsbibliothek – Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Philosophie -. Sie schickt ihre Berichte an Pater Eymieu, damit er wissenschaftliche Quellen in seinen geistlichen Bücher zitieren kann.

1912

Claire fährt nach Paris, wo einige ihrer Freundinnen eine neue Form des geweihten Lebens entwickeln, die es ihnen ermöglicht, sich in den Dienst der Menschen und der Arbeitswelt zu stellen. Claire beteiligt sehr stark daran.

1917

Aber am Vorabend des Tages der Anerkennung dieser religiösen Gruppe durch den Bischof von Paris wird sie brutal ausgeschlossen. Es ist ein Zusammenbruch für sie.

Sie geht zurück nach Marseille. Sie nimmt die „Mittagsmissionen“, die von den Cénacle Schwestern in Paris initiiert worden waren, wieder auf und führt sie in Marseille durch. Es geht darum, junge Arbeiter einzuladen, eine dynamische Predigt in der Mittagspause in einer Kirche zuhören.

1921

Mehrere Freundinnen schließen sich ihr an. Sie wollen „etwas mit ihr machen“. Leidenschaftlich in der gegenwärtigen Welt und nicht in der Welt von gestern, in der ständigen Anpassung an die Realität, wie sie sagt, verpflichten sie sich gemeinsam, legen Gelübde ab. Wofür? Um Missionarinnen zu sein, aber hier, in jeder Situation. Eine Freundin, die ihre Bewunderung für den missionarischen Eifer des heiligen Franz Xaver kennt, schlägt vor, diese neue Gruppe „Xavière“ zu nennen.

1933

Nach Marseille, wo die Arbeit der „Mittagsmissionen“ weitergeht, fahren einige „xavières“ nach Paris. La Xavière „erweitert den Raum ihres Zeltes“.

1935

Die Anerkennung von La Xavière durch die Kirche ist eine neue Etappe, die Claire in ihrem Projekt bestätigt.

1939

Claire stirbt am 14. Februar… aber die Türen für La Xavière sind geöffnet.


Transit – Ein Film von Christian Petzold

Als der Abspann von Transit begann, fühlte ich mich ein wenig verwirrt. Eigentlich fühlte ich mich  wie die Hauptfigur des 2018 herausgekommenen Films von Christian Petzold.

Der Film beruht auf dem autobiografischen Roman Transit von Anna Seghers. Diese jüdische und kommunistische Schriftstellerin musste aus Deutschland fliehen, als die Nazis an die Macht kamen. Sie fuhr mit ihrer Familie durch Paris und Marseille nach Mexico. Ihr 1944 veröffentlichter Roman handelt von einem Deutschen, der während des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten nach Frankreich flieht. Christian Petzold bleibt den Details des Romans treu und man erkennt deutlich die Ereignisse von 1940, aber er hat die Geschichte in Marseille der Gegenwart.

Die Hauptfigur des Filmes, Georg, ist ein politischer Flüchtling, der zuerst Zuflucht in Paris findet. Zum Zeitpunkt der Evakuierung der Stadt durch die französischen Behörden ist er zufällig im Besitz der Ausweispapiere und eines Manuskripts des bekannten Schriftstellers Weidel, der Selbstmord begangen hat. Georg flüchtet mit den Dokumenten per Güterzug nach Marseille. Dort will er Weidels Papiere abgeben, aber wird von dem mexikanischen Konsul für den Autor gehalten. Anstatt die Verwechslung aufzuklären, nimmt er die Visen und Schiffskarten, die für Weidel vorbereitet wurden. Vor der Abfahrt musst er noch einige Formalitäten erledigen. In Marseille trifft er Menschen, die verzweifelt eine Schiffspassage suchen. Diesen Flüchtlingen fehlt alles: Geld, eine sichere Unterkunft, menschliche Wärme und vor allem Hoffnung. Georg begegnet immer wieder einer geheimnisvollen Frau. Sie ist Weidels Ehefrau und sucht ihren Mann.

Petzolds Figuren sind wie Gespenster im heutigen Marseille. Niemand scheint sie zu bemerken. In zeitlosen Kleidungen sind sie dort, ohne dort zu sein, verwirrt, machtlos und ratlos. Für sie geht die Zeit nicht weiter. Ihre Vergangenheit interessiert niemanden und sie sind ohne Zukunft. Auch diese Geschichte ist zeitlos. Das ist die Geschichte der Flüchtlinge von damals wie auch von denen von heute.

Die Tatsache, dass der Film in einer Stadt gedreht wurde, in der ich gerade vier Jahre gelebt habe, verstärkt für mich das Gefühl der Aktualität. Der Film wurde an Marseilles Hafen und im Panier-Viertel gedreht. Während des Zweiten Weltkrieges war dieses Viertel, das aus engen Gassen und steilen Treppen besteht, ein Zufluchtsort für Widerstandskämpfer und wurde teilweise gesprengt. Aber die Hafenstadt ist auch heute noch ein Durchgangsort für viele Menschen, die einen Ort suchen, wo sie ein neues Leben anfangen können.

Mit diesem Film mit unscharfem Zeitbezug, durch das Mischen von Vergangenheit und Gegenwart, lädt uns Christian Petzold ein, über den Zustand der Flüchtlinge nachzudenken.

Sr Coralie