Eine Meditation für die Sommerferien in der Natur

Es gibt nichts Schöneres als einen Baum“, sagt Alain Le Goff.

Der arme Mann hat keinen eigenen Baum, aber alle, die er mit eigenen Augen sehen kann, sind seine Komplizen im großen Spiel der Schöpfung. Es gibt einige, die ihm besser gefallen als andere. Sie sind nicht die triumphierendsten, sondern diejenigen, die im wilden Wind ums Überleben kämpfen. Er besucht sie im Winter, wenn sie kahl sind.

– Siehst du nur, wie sie arbeiten“, sagt er.

– Und was machen sie, Opa?

-Sie verbinden die Erde mit dem Himmel. Es ist sehr schwierig, mein Sohn. Wenn es keine Bäume gäbe, würde er sich verabschieden. Dann müssten wir einfach sterben. Gott bewahre uns!

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-Aber es gibt Länder, in denen kein Baum wächst. Ich habe es in der Schule gelernt. Sie werden Wüsten genannt.

-Ja eben mein Sohn. Dort gibt es keinen Menschen. Der Himmel ist herabgestürzt.

Ich tue so, als würde ich nicht verstehen. Er zündet seine Pfeife an und lächelt. Niemand hat je so gelächelt wie Alain Le Goff.

-Und deshalb sind die Menschen auf der Erde so unglücklich.

Er schlägt mit geöffneter Handfläche auf den rauen Rumpf.

– Du siehst, es ist ein großes Seil, der Stamm des Baumes. Manchmal sind sogar Knoten drin. Die Litzen des Seils lockern sich an jedem Ende, um sich an Himmel und Erde festzuhalten. Sie werden oben als Äste und unten als Wurzeln bezeichnet. Aber es ist alles dasselbe. Die Wurzeln finden ihren Weg in den Boden, so wie die Zweige ihren Weg in den Himmel finden.

– Aber es ist schwieriger in die Erde als in den Himmel einzudringen !

-Auf keinen Fall! Wenn das wahr wäre, wären die Zweige gerade. Und siehst du, wie verbogen sie hier am Apfelbaum sind! Sie müssen ihren Weg finden, das sage ich dir. Sie wachsen, der Himmel wehrt sich, sie wechseln die Richtung, so oft es nötig ist. Sie haben es schwer, weißt du. Vielleicht schwerer als die Wurzeln da unten.

– Und was tut ihnen so weh, Großvater?

– Es ist der Wind, der miese Wind. Der Wind will den Himmel von der Erde trennen, schiebt seine Zunge dazwischen… Und dahinter wartet das Meer darauf, es zu bedecken. Aber die Bäume stehen auf beiden Seiten. Die gesegnete Sonne hilft den Zweigen, während der Regen die Wurzeln tröstet. Was für ein Kampf, mein Sohn! Es hört nie auf, zu kämpfen, in dieser Welt.

– Was ist dann mit uns, was sollen wir tun?

– Den Baümen vertrauen, gegen den Wind.

Das Lächeln auf Alain Le Goffs Gesicht ist so friedlich, dass ich kaum glauben kann, dass die Welt das Feld eines Kampfes zwischen den Naturkräften ist.

Pierre Jakès Hélias, Das Pferd des Stolzes

Übersetzung von Sr. Françoise