Pfingsten und das Erlernen einer Sprache


Pfingsten. Ich meditierte heute Morgen früh über das Pfingstereignis in der Apostelgeschichte, wie die Apostel nach dem Kommen des Heiligen Geistes in anderen Sprachen zu reden begannen, wie jeder in Jerusalem sie in seiner Sprache reden hörte und sich fragte :“ Wieso kann jeder von uns sie in seiner Muttersprache hören?“

Es brachte mir dazu, an meine Erfahrung angesichts meines Umzugs nach Deutschland als Französin zu denken und an mein Erlernen der deutschen Sprache. In Zungen reden ist nicht für alle zugänglich. Paulus sagt es in dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 14, 5): „Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, baut die Gemeinde auf. „Wer prophetisch redet, ist größer“, fügt er hinzu. Aber was heißt prophetisch reden?

Die Worte von François Cheng, einem französisch-chinesischen Schriftsteller kamen mir wieder in Erinnerung. „Warum sollte es uns überraschen, dass das Erlernen einer Sprache ein wesentlicher und komplexer Prozess ist? Mehr als nur eine Frage des Gedächtnisses muss man Körper, Geist, die gesamte Verstandes- und Vorstellungsfähigkeit mobilisieren, da man nicht eine Reihe von Wörtern und Regeln lernt, sondern eine Art zu fühlen, wahrzunehmen, zu argumentieren, unvernünftig zu sein, zu fluchen, zu beten und schließlich zu sein.“

„Jeder Exilant kennt am Anfang die Qualen des Verlassens, des Elends und der Einsamkeit. Hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach der Vergangenheit und dem rauen Zustand der Gegenwart erlebt er ein „stilleres“, demütigenderes Leiden, das ihn plagt: Da er die Sprache seiner Wahlheimat nur rudimentär beherrscht, sieht er sich in den Augen der Menschen zu einer beschränkten Person herabgesetzt. Indem er Wörter oder Sätze benutzt, die manchmal nur annähernd, radebrechend sind, die nicht in der Lage sind, eine klare und kohärente Erzählung zu liefern, erweckt er den Eindruck, als ob er keine Gedanken oder gar keine Gefühle hätte“. François Cheng, Le Dialogue, une passion pour la langue française, DDB, 2002

Akkulturation bedeutet eine neue Geburt, einen Neuanfang, der es erfordert, dass ich mich von etwas löse, um ein neuer und anderer Mensch zu werden. Es erfordert Zeit, Ausdauer und Geduld. Jeden Tag.

Auf der Ebene des Glaubens hilft mir die Betrachtung der Menschenwerdung Jesu Christi. Das Wort, das am Beginn der Welt da war, ist Fleisch geworden. „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“ Ph 2, 6-7. Das Wort am Beginn der Welt lernt wie jeder eine menschliche Sprache, er lernt bei seinem Vater Josef und seiner Mutter Maria die Geste des Alltags, die Worte des Gebets, einen Beruf.

Dies zu betrachten, tröstet mich und die Gegenwart Jesu in dem Prozess der Akkulturation, gibt mir Mut täglich weiterzugehen. Lesen, Vokabel lernen, Grammatik üben ist die erste, ganz bescheidene Phase des Zeugnisses, im Namen Jesus und für seine Herrlichkeit, als Antwort auf seine Liebe zu mir, zu allen.

FA