In der Coronakrisezeit und in der Karwoche

Im Januar und Februar haben wir wie viele Menschen die Nachrichten aus China erfahren, ohne uns vorstellen zu können, dass diese Pandemie in zwei Monaten so stark und schnell auf uns zukommen würde. Wir hatten einiges vor: Projekte, Veranstaltungen, viel Arbeit. Da zahlreiche Termine vorgeplant wurden, waren wir sicher, dass sie stattfinden!

Die Uhr in St. Marienkirche in Lübeck

Für viele war diese Geschichte mit dem Virus weit weg bis die Ausgangsperre oder Kontaktverbote verhängt wurde und/oder plötzlich einige Bekannte und Verwandte betroffen waren. Viele Aktivitäten in zahlreichen Bereichen wurden abgesagt. Jetzt wissen wir alle, dass jeder betroffen sein kann. Die Zeit und sogar das Leben selbst sind völlig unsicher geworden. Eines Tages kann ich angesteckt werden und in ein paar Tage sterben..

Diese Lage erinnert mich an dieses Gleichnis, das Jesus den Reichen erzählt hat (Lukas 12,15-20).

Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?

Einheitsübersetung

Totentanz in Marienkirche in Lübeck

Dieses Gleichnis betrifft nicht nur die Reichen, sondern alle, die oberflächlich dahin leben. Aber schließlich betrifft es alle! Die heutige Lage und dieses Gleichnis fragen uns: in was, in wen legst du dein Vertrauen? Was ist das Wesentliche, das über den Tod Bestand hat? Wenn du heute Abend stirbst, wie möchtest du dein Leben gelebt haben? Im Advent warnte Jesus uns schon vor einem unerwarteten Einbruch und förderte uns auf, zu wachen und zu beten.

Jede/r kann für sich eine Antwort finden. Es gibt Wegweiser die uns helfen können, im Leben klarzukommen.

Wenn du stirbst, nimmst du nichts von dem mit, was du gehortet hast, aber alles, was du gegeben hast. (Mamerto Menapace)

Ich möcht‘ mit offenen Händen
die Wege des Lebens geh’n
lieber alles verschwenden
als mit vollen Taschen
ins Grabe seh’n

Ich möcht‘ wie die Blume sein
die auf den Feldern steht
mit ihrer Pracht erfreut
jeden der schauend
an ihr vorübergeht

Ich vertraue dem Leben
dem Gott, der mich trägt
und ich traue den Menschen
die liebend mein Herz umhegt

Was ich gebe
kommt vielfach zurück
und wenn ich schenke
ist es mein eigenes Glück

So steh‘ ich und schaue
ins Leben hinaus
ich bin ganz bei mir
ich bin ganz zuhaus‘

Und wenn dir’s gefällt
in meiner Nähe zu sein
so pflücke mich nicht
sondern wachse neben mir


Die Kunst des Vertrauens besteht darin, niemals daran zu zweifeln, dass es einem an nichts fehlen wird und dabei doch immer mit vollem Einsatz und mit allen seinen Fähigkeiten sein Leben zu meistern.


O Herr, du hast uns gesagt, dass unser Vater im Himmel für uns sorgen wird, so wie er für die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel sorgt. Du, der nicht einmal einen Platz hatte, wohin er sein müdes Haupt legen konnte, sei unser Lehrer.
Lehre uns, auf Gottes Vorsehung zu vertrauen und hilf uns, unsere menschliche Habgier zu überwinden. Habgier hat nie jemanden glücklich gemacht. Gib uns die Kraft, uns dir ganz zu ergeben, damit wir ein Werkzeug sein können, deinen Willen zu erfüllen.
Segne den Gebrauch des Geldes in der Welt, damit die Hungernden gespeist, die Nackten gekleidet, die Armen beherbergt und die Kranken gepflegt werden können. Und Herr, gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir durch den Glauben, den du uns verleihst, klar erkennen, dass wir alle vor dir mehr gelten als jede schöne Lilie oder jede singende Lerche in der Luft.

Mutter Teresa