Die Vergessenen der Covid-19-Krise

Viele Menschen tragen die Hauptlast der durch Covid-19 verursachten globalen Krise, sei es in Bezug auf Gesundheit, Angst, Desorganisation oder wirtschaftliche Auswirkungen. Die Politiker wollen vereinigen, mobilisieren, alle Zuständigkeiten festlegen, an jeden einzelnen denken… oder fast jeden.

Es gab in der Tat einige auffällige Versäumnisse zum Beispiel in den Reden  von Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel, und zwar die Menschen, die auf der Straße und in prekären Lebensverhältnissen leben. Die Tagesstätten, Institutionen und Vereine, die ihnen normalerweise helfen, schließen aus Gründen der Gesundheitssicherstellung. Selbst in normalen Zeiten sind sie ungeschützt und verletzlich, jetzt  haben sie keinen Zugang zu Essen, Duschen, Kleiderwechsel und Versorgung: In Hamburg zum Beispiel wird das Zahnmobil,  ein kleiner Lastwagen, der durch die Stadtviertel fährt, kostenlos zahnmedizinische Versorgung anbietet-, angehalten, um seine ehrenamtlichen Zahnärzte nicht zu gefährden. Diese sind häufig im Ruhestand, daher älter gewesen und gehören zur Risikogruppe…

Dann wurden Stimmen laut, wie die von Secours Catholique in Frankreich, und Initiativen gegründet, wie die Freiwilligen von Hiver Solidaire in Paris, die sich mit den aufgenommenen Menschen einsperren ließen, oder  in Hamburg die Caritas, die Diakonie, die Bahnhofsmission, und andere, die vor Ort Lunchpakete verteilen, die vorher mit Masken und Handschuhen angefertigt wurden. Dies geschieht ohne Gruppenversammlung und jeder „Koch“ sitzt an einem Ende des Tisches um die 1,5 m entfernte Barriere gegen das Virus zu respektieren. 

Bei der Caritas wechseln sich z.B. Studenten der Sozialarbeit und Mitarbeiter von Sozialprojekten, die eingestellt wurden, beim Einkaufen und beim Einpacken von Lunchpaketen ab. Sie müssen in mehrere Supermärkte nacheinander gehen, um die benötigte Menge zu bekommen. Um die Regale nicht zu leeren, werden sie an den Kassen angehalten, wenn sie zu viel Brot und Obst einkaufen wollen. Für die Verteilung verwenden sie ein Fahrrad vom Typ Rikscha mit zwei vorderen Sitzen, das normalerweise dazu dient, obdachlose Patienten von einem kleinen Caritas-Gesundheitszentrum zu ihrer medizinischen Untersuchung ins Krankenhaus zu fahren.

Ich konnte in der ersten Woche an dieser Aktion teilnehmen: Lunchpakete und Flaschen Wasser leisteten mir auf dem vorderen Sitz Gesellschaft, während ein Kollege das Fahrrad fuhr – mit elektrischer Unterstützung, keine Sorge! Der Empfang bei den Obdachlosen war gut. In den ersten Tagen waren die Ernährungsprobleme noch nicht sichtbar. Vielmehr geht es um den fehlenden Zugang zu Wasser, Toiletten und Duschen: Aber auf Dauer war eine größere Spannung spürbar… Diese Situationen, diese Gesichter gingen mir an die Nieren und begleiten mein Gebet sehr stark.

Hoffen wir, dass die Regierungen sehr bald die Not und die Bedürfnisse dieser „großen Vergessenen“ der Covid-19-Krise mehr berücksichtigen.