Mit einem Mystikern

Dieses Jahr war das Triduum für Weihnachten ein bisschen ungewöhnlich: Es fand nach Weihnachten statt und wir haben uns nicht in einem Kloster aufgehalten, sondern sind einfach zu Hause geblieben. Maud, eine junge Xaviere aus Nizza war dabei.

Das Triduum fand mit lieblingsthemen von Maurice Zundel statt. Maurice Zundel (1897-1975) war ein Schweizer Priester, der zahlreiche theologische und mystische Schriften verfasste. Als mystischer Denker und unkonventioneller Theologe stand er in der Tradition des Personnalismus und des Franz von Assisi. Weil er „Querdenker“ sei, verbot ihm sein Bischof in Lausanne-Genf alle pastoralen Tätigkeiten und Aufgaben, so dass er immer unterwegs war: In Paris, London, Jerusalem, Cairo… 1965 erhält er trotzdem eine kleine Anerkennung:  Papst Paulus VI lädt ihn nach Rom ein, um die Fastenexerzitien zu predigen.

Stille, Gegenwart und Offenbarung

Für Zundel ist Gott eine lebendige Gegenwart im Herzen des Menschen: Gott ist „für uns innerer als wir für uns selbst“. Er wird in der Stille und Innerlichkeit entdeckt. Man muss zuerst mit sich selbst schweigen, um Gott zu begegnen. Zundel lädt uns ein, denjenigen, der im Kind der Krippe zu uns kommt, in tiefster Stille zu begrüßen, um Gott in uns wohnen zu lassen.

Darüber hinaus lädt er uns ein zu spüren, dass Gott schon da ist, dass er in uns lebt. Zu oft sind wir nicht da: wir sind von seiner Anwesenheit abwesend oder wir machen zu viel Lärm um uns selbst. Auch: „Es ist nicht an Gott, zu uns zu kommen (…). Es liegt an uns, zu Ihm zu kommen, uns seiner Gegenwart zu öffnen, die allein uns selbst gegenwärtig machen kann“.

Armut

In einem unendlichen Raum, leer, entkleidet, in Stille angeboten, entsteht die Gegenwart – die Gegenwart Gottes – und die Intimität wird ausgetauscht und in gegenseitiger Anerkennung offenbart, eine Quelle des Staunens und der Dankbarkeit. „Das Gottkind ist in unsere Hände gegeben, wie es seiner Mutter anvertraut wurde, um in uns zu leben“. Bewundern Sie das Geheimnis dieses armen Gottes, der sich uns aus Liebe hingibt.

Von der Krippe bis zum Kreuz wird Gott arm, damit wir für uns selbst geboren werden können. Gott trägt Risiken von der Krippe bis zum Kreuz, indem er sich unserer Freiheit übergibt. Das ist es, was Weihnachten bedeutet: unsere Geburt zu uns selbst – zu unserem authentischsten Wesen – ebenso wie die Geburt Christi unter uns: unter der Bedingung, dass wir ihn in uns geboren lassen!

Die Dreifaltigkeit bedeutet Selbstlosigkeit

Die Menschheit Christi, die gehört nicht sich selbst, sie ist unfähig, „ich“ und „ich“ zu sagen, unfähig, sich in sich selbst zu verschließen, sie ist unendlich offen auf der Seite Gottes und ebenso unendlich offen auf der Seite des Menschen und des Universums, und es ist diese Radikalisierung der Armut in Gott und in der Menschheit Jesu Christi, die man berücksichtigen muss, um in das Geheimnis Jesu einzutreten, es ist dieses Zusammenfließen dieser beiden unübertrefflichen Armut, jede in ihrer eigenen Ordnung, die Armut Gottes und die Armut der Menschheit Christi, es ist dieses Zusammenfließen dieser beiden Armut, das das Geheimnis Jesu ausmacht.

Gott spricht uns an

Wir lesen das Evangelium oft durch Formeln, durch vorgefertigte Kommentare, durch sehr ehrwürdige theologische Daten, dadurch laufen wir Gefahr, die ganze Neuheit dieser Worte, ihr  Entstehen, das ganze Leben und die ganze Verwandtschaft des Evangeliums auch bei uns nicht zu spüren.

Die Kirche hat uns zweifellos bewundernswerte Wege gezeigt, um Christus näher zu kommen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass das Dogma eine Person ist, ein Sakrament, das von innen heraus genommen werden muss, dass wir in das Herz unseres inneren Lebens gehen müssen, um genau diesen Worten ihren lebendigen Sinn zu geben, dass wir ihnen das Gesicht einer Person wiedergeben müssen: Jesus.