Stille Sehnsucht – Ein Film von Christian Wagner

Der Film fängt in dem heutigen Sarajewo an. Senada ist eine 30-jährige Frau, die für einen Immobilienmakler arbeitet, abends in die Disco geht, in einer Volleyballmannschaft spielt und mit einem großen Motorrad fährt. Auf den ersten Blick sieht sie wie eine Frau aus, die nach dem Krieg ihr Leben wieder in die Hände genommen hat. Aber es bleibt trotzdem ein Bruch in ihrem Leben: ihre 2-jährige Tochter Aida ist im Krieg verschollen. Als sie zufällig auf einen Artikel in einer Zeitschrift über die Evakuierung von Kindern durch das Rote Kreuz stößt, glaubt sie ein Kind aus ihrer Stadt zu erkennen und findet neue Kraft, um nach ihrer Tochter zu suchen. Dann gelingt es ihr, ihren ehemaligen Mann Samir zu überzeugen, sein Auto zu verkaufen, um den Schlepper bis nach Europa zu bezahlen.

Ihre Reise geht über Italien und Österreich bis nach Ulm, wo sie schließlich die Spur ihrer Tochter durch das Jugendamt findet. Senada hat nur eine Sache im Kopf: Aida wieder nach Bosnien zu bringen. Aber die Situation ist komplexer als gedacht: ihre Tochter, die jetzt Kristina heißt, wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert und kennt ihr eigene Geschichte nicht.

Dieser Film zeigt zwei Paare, die in zwei verschiedenen Welten leben und beide Aida/Kristinas Eltern sind. Die zentrale Frage des Filmes ist, zum wem das Mädchen gehören soll. Senada ist eine verletzte Frau, die geschwächt ist, dadurch dass sie illegal nach Deutschland gekommen ist und die Sprache nicht gut beherrscht, aber sie ist gleichzeitig eine starke Frau, deren Hartnäckigkeit den anderen Figuren zur Entwicklung beiträgt. Der innere Kampf der Figuren ist rührend. Durch kleine Hinweise entdeckt der Zuschauer, was Senada und Samir im Krieg erlebt haben. So enthüllt uns der Regisseur mit viel Fingerspitzengefühl die Realität der Kriegsopfer. Der Film unterstreicht auch die Notwendigkeit der Zeit und der Worte, um wieder lebendig zu werden, eine Auferstehungsgeschichte.

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