Im Sommer neue Kraft schöpfen

Jeden Sommer treffen wir  Xaviere-Schwestern uns in unserem Haus in der Provence, das „la Pourraque“ heißt. Vieles wurde über diesen Namen geschrieben, aber wahrscheinlich kommt dieser Name aus dem Lateinischen „pura aqua“ denn es gibt für das Haus eine eigene Quelle, die nie austrocknet, obwohl es im Sommer nicht viel regnet.

  • Jedes Jahr hören wird verkündet, wo wir hingeschickt werden. Es geht um die Gemeinschaft und die Arbeit. Manchmal wird eine Xaviere in einer Gemeinschaft geschickt und soll dann Arbeit finden, oder andersrum. Manchmal sind es viele, die im Jahr umziehen müssen, manchmal sind einige Jahre eher ruhig.

Meistens wissen wir im Laufe des Jahres, wer umzieht oder die Arbeit wechselt. Ist es noch zeitmäßig dieses Treffen zu erhalten? Eigentlich sollten wir dies befürworten. Es ist ein Teil der ignatianischen Spiritualität oder Umgangs Jesus mit seinem Jüngern (s. Markus 3, 13, 15: Jesus ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm. Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen und dass sie Vollmacht hätten, die Dämonen auszutreiben). Wir versammeln uns, um von der Generaloberin geschickt zu werden.

  • Anschließend nehmen wir an einer oder zweitägigen Tagung mit einem besonderen Schwerpunkt teil. Alle zwei Jahre wird ein europäisches, um die Gründung des Ordens in Hamburg einzuschätzen. In dieser Zeit können wir uns austauschen oder Postulantinnen/Novizinnen kennen lernen.
  • Es findet in einem feierlichen Klima statt und manchmal tanzen wir sogar.  
  • Jedes Jahr machen wir auch die Exerzitien von Ignatius von Loyola. Das Haus wird plötzlich in den 10 Tagen ganz still, um Gott besser spüren zu können. Das Haus mit der schönen Kapelle und die Natur sind sehr angepasst, um sich zu besinnen. Es ist ein Geschenk, mit anderen Xaviere-Schwestern in der Stille zu beten. Das Kennenlernen vertieft sich so auf geheimnisvolle Art und Weise.
  • Das Haus ist manchmal das Zuhause für diejenige, die die ersten Gelübde oder die ewigen Gelübde ablegen. Die Vorbereitungen sind leicht denn wir sind viel zu helfen und wir sind sehr daran gewöhnt.
  • Und natürlich ist dieses Haus für alle offen. Die Gemeinschaft bietet vieles an (Exerzitien, Oasen, geistliche Begleitung, Angebote für die Karwoche)  und sie fühlen sich dort immer wohl. 
  • Unsere Gründerin bezeichnete  „La Pourraque“ als „unser liebes Sommernest“…. wo der  Familiengeist,  die Einfachheit und die Nächstenliebe,-  die Werte der Xaviere gelebt werden“

Stille Sehnsucht – Ein Film von Christian Wagner

Der Film fängt in dem heutigen Sarajewo an. Senada ist eine 30-jährige Frau, die für einen Immobilienmakler arbeitet, abends in die Disco geht, in einer Volleyballmannschaft spielt und mit einem großen Motorrad fährt. Auf den ersten Blick sieht sie wie eine Frau aus, die nach dem Krieg ihr Leben wieder in die Hände genommen hat. Aber es bleibt trotzdem ein Bruch in ihrem Leben: ihre 2-jährige Tochter Aida ist im Krieg verschollen. Als sie zufällig auf einen Artikel in einer Zeitschrift über die Evakuierung von Kindern durch das Rote Kreuz stößt, glaubt sie ein Kind aus ihrer Stadt zu erkennen und findet neue Kraft, um nach ihrer Tochter zu suchen. Dann gelingt es ihr, ihren ehemaligen Mann Samir zu überzeugen, sein Auto zu verkaufen, um den Schlepper bis nach Europa zu bezahlen.

Ihre Reise geht über Italien und Österreich bis nach Ulm, wo sie schließlich die Spur ihrer Tochter durch das Jugendamt findet. Senada hat nur eine Sache im Kopf: Aida wieder nach Bosnien zu bringen. Aber die Situation ist komplexer als gedacht: ihre Tochter, die jetzt Kristina heißt, wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert und kennt ihr eigene Geschichte nicht.

Dieser Film zeigt zwei Paare, die in zwei verschiedenen Welten leben und beide Aida/Kristinas Eltern sind. Die zentrale Frage des Filmes ist, zum wem das Mädchen gehören soll. Senada ist eine verletzte Frau, die geschwächt ist, dadurch dass sie illegal nach Deutschland gekommen ist und die Sprache nicht gut beherrscht, aber sie ist gleichzeitig eine starke Frau, deren Hartnäckigkeit den anderen Figuren zur Entwicklung beiträgt. Der innere Kampf der Figuren ist rührend. Durch kleine Hinweise entdeckt der Zuschauer, was Senada und Samir im Krieg erlebt haben. So enthüllt uns der Regisseur mit viel Fingerspitzengefühl die Realität der Kriegsopfer. Der Film unterstreicht auch die Notwendigkeit der Zeit und der Worte, um wieder lebendig zu werden, eine Auferstehungsgeschichte.

Anlässlich des Welttagsgebetes für die Berufungen

Am 11. und 12. Mai lädt die ganze Weltkirche ein, für die Berufungen zu beten. Unser Bistum ist dabei. Von Sonnabend 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr kann jede, jeder sich eintragen zum beten.

Das Zentrum für Berufungspastoral hat unsere Mitschwester Nathalie Becquart, die sechs Jahre lang als Direktorin des Nationalen Büros für die Evangelisierung der Jugend und für Berufungen bei der Französischen Bischofskonferenz gearbeitet hat.
Diese Aufgabe endete im August 2018. Im Oktober 2018 nahm sie, auf Einladung von Papst Franziskus, als Auditorin an der Bischofssynode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung” in Rom teil.

Hier ist der Link zum Zentrum für berufungspastoral:
http://www.berufung.org/material/wh-berichte-05/

Sr. Nathalie, Sie haben sechs Jahre lang für die Berufungspastoral in Frankreich gearbeitet. Mit welchen Themen haben Sie sich in dieser Zeit hauptsächlich beschäftigt?
Sr. Nathalie: Das war zuerst die aktuelle Jugendkultur, die ich als postmodern-digital bezeichnen würde. Man kann den jungen Menschen nicht bei ihrer Berufungsfindung helfen, wenn man die Welt nicht versteht, in der sie leben. Wir müssen ihre konkrete Realität kennen, ihre Sprache, ihre Codes, ihr Verhalten. Wir müssen wissen, wonach sie sich sehnen und wonach sie fragen. Das Wort „Berufung“ wird oft falsch verstanden und vieldeutig verwendet. Wir haben uns deshalb viel mit der Theologie der Berufung beschäftigt, um zu einer christlich-katholischen Deutung von Berufung und Berufungspastoral zu kommen.
Außerdem ging es uns darum, konkrete Vorschläge und Hilfsmittel zu entwickeln und vorzuhalten, die helfen, eine Kultur der Berufung zu schaffen und die verschiedenen Berufungen zu fördern, insbesondere die Berufung zum Priester und zum Geweihten Leben.

Worin liegen in der nahen Zukunft die größten Herausforderungen für die Berufungspastoral?
Sr. Nathalie: Zuerst geht es darum, allen dabei zu helfen, das ganze Leben als Berufung wahrzunehmen und zu erkennen, dass jeder einen einzigartigen Ruf hat. Jeder ist berufen, zu entdecken, wie man glücklich wird, indem man den anderen liebt, ihm dient und ihn glücklich macht. Papst Franziskus hat das in Evangelii Gaudium (Nr. 273) auf den Punkt gebracht:  „Ich bin eine Mission auf dieser Erde.“ So gesehen besteht die größte Herausforderung darin, die Verantwortlichen in der Jugend- und Berufungspastoral zu Berufungsbegleitern auszubilden, damit sie den jungen Menschen dabei helfen können, ihre Berufung zu erkennen und ihren Platz in der Kirche und in der Gesellschaft zu finden. Das bedeutet aktuell, Ausbildungsgänge für eine geistliche Begleitung zu entwickeln, die den Jugendlichen hilft, in aller Freiheit eine Berufungsunterscheidung vorzunehmen. Denn viele junge Menschen fragen sich, was das Ziel ihres Lebens ist und wie sie eine gute Wahl treffen können.

Sie haben im Oktober 2018 an der Synode in Rom teilgenommen. In welcher Funktion waren Sie dort? Was haben Sie konkret gemacht?
Sr. Nathalie: Die Synode war großartig. Es war menschlich, spirituell und kirchlich eine tolle Erfahrung, dort die Bischöfe und Jugendlichen aus der ganzen Welt zu treffen. Papst Franziskus hatte mich als Auditorin nominiert. Insgesamt waren wir 49 Auditoren, davon 35 Jugendliche und sechs Ordensleute. Wie die Bischöfe durften wir im Plenum das Wort ergreifen und uns in der Kleingruppenarbeit, den circuli minori, einbringen. Konkret haben wir viel zugehört, um die Realität und die Lebenssituation der jungen Menschen heute besser zu verstehen. Wir haben viel über die Schlüsselworte der Synode „Glaube, Berufung, Unterscheidung und Begleitung“ nachgedacht und Wege einer Berufungspastoral für Jugendliche erkundet. 

Welcher Aspekt der Synode war für Sie der wichtigste? Über welches Ergebnis haben Sie sich besonders gefreut?
Sr. Nathalie: Wir haben ein neues Pfingstfest erlebt, einen neuen missionarischen Geist, der der Kirche helfen kann, für die jungen Menschen auf der Welt von heute da zu sein. Wir haben verstanden, dass die Jugend die Kirche erneuern kann, in dem sie ihr eine neue Jugendlichkeit geben und missionarischer Motor sind. Deshalb geht es darum, den jungen Menschen zuzuhören, ihnen Raum zu verschaffen, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie auf allen Ebenen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Die Gemeinschaft der Xavière-Schwestern ist in Deutschland nicht sehr bekannt. Was ist das Charisma Ihres Ordens?
Sr. Nathalie: Unsere apostolische Ordensgemeinschaft wurde 1921 in Frankreich gegründet. Unsere Spiritualität ist ignatianisch. In gewisser Weise sind wir eine weibliche Variante der Jesuiten, denen wir nahestehen. Unser kompletter Name lautet: Xavière, Missionarinnen Jesu Christi. Die Mission spielt bei uns eine wichtige Rolle – Mission in den verschiedensten Ausprägungen, wie z.B. in einer Tätigkeit als pastoral Verantwortliche in der Kirche. Ein wichtiger Aspekt unseres Charismas ist es, Verbindungen herzustellen zwischen der Kirche und denen, die ihr fern sind. Wir wollen dorthin gehen, wo unseren Zeitgenossen sind, um ihnen zu begegnen und Christus zu verkünden. Unsere Devise lautet: „Begeistert von Christus, begeistert von der Welt.“ Dort, wo wir sind, versuchen wir, auf Einheit und Versöhnung hinzuwirken. 

Wie alt waren Sie, als Sie sich für die Gemeinschaft der Xavière-Schwestern entschieden haben?
Sr. Nathalie: 26 Jahre. Nach meinem Studium an einer Handelsschule war ich ein Jahr als Freiwillige in Beirut im Libanon, und dann habe ich noch zwei Jahre als Beraterin im Bereich Marketing-Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet, bevor ich eingetreten bin (1995).

Gab es ein Ereignis, das diese Entscheidung beeinflusst hat?
Sr. Nathalie: Am Ende meines Studiums habe ich mit der Studentengemeinde an einem Gebetswochenende in einem ignatianischen Zentrum teilgenommen. Dort habe ich im Gebet erlebt, dass mich Christus sehr persönlich angesprochen hat. Das hat mich dafür geöffnet, voller Vertrauen auf seinen Ruf zu hören. Dann war da das freiwillige Jahr in Beirut, wo ich in einer Schule Kinder unterrichtet habe, die nichts anderes als den Krieg kennengelernt hatten. Dort spürte ich, wie reich beschenkt ich dagegen war und dass das sinnlos wäre, wenn ich nicht auch etwas zurückgebe. Ich habe eine so intensive Erfahrung der Liebe Gottes zu mir gemacht, dass der Wunsch in mir gewachsen ist, ihm als Ordensfrau mein Leben zu schenken.

Welche Person hat Sie besonders geprägt?
Sr. Nathalie: Im Libanon habe ich junge Ordensleute getroffen, die mir einen anderen Blick auf das Ordensleben ermöglicht haben, denn bis dahin hatte ich eher klischeehafte Vorstellungen davon. Durch ihre Freude, ihr Zeugnis, dadurch, dass sie so durch und durch menschlich und in der Welt verankert waren, haben sie mir gezeigt, dass ein solches Leben möglich und schön sein kann. Einigen von ihnen ist es zu verdanken, dass der Ruf Gottes mich erreicht hat.

Welches Bild sehen Sie, wenn Sie an Berufung denken?
Sr. Nathalie: Berufung ist ein Geheimnis und  ein Abenteuer – das Abenteuer, Christus bis in die österliche Wandlung zu folgen, das Abenteuer der Weite, denn Christi Ruf nimmt uns immer weiter mit, als wir es uns vorstellen können. Berufung ist ein dynamisches Geschehen. Solange wir leben, werden wir unsere Berufung niemals vollkommen erkennen. Im Lauf der Zeit werden wir den besonderen Ruf Gottes an uns persönlich jedoch besser erkennen. Ein Bild, das von der Berufung erzählt, ist eines des Übergangs, das Bild eines Schiffes, das in die Weite des Ozeans steuert.

Was sagen Sie einer jungen Frau, die darüber nachdenkt, Mitglied in Ihrer Gemeinschaft zu werden?
Sr. Nathalie: Zuerst kann sie auf unserer Internetseite www.xavieres.org einiges über uns erfahren. Dann würde ich ihr raten, einige Zeit in einer unserer Gemeinschaften mitzuleben. In Deutschland haben wir z.B. seit sechs Jahren eine Kommunität in Hamburg. Wie andere Gemeinschaften auch bieten wir Wochenenden an, an denen man uns kennenlernen kann. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, eine gute geistliche Begleitung zu haben und Exerzitien zu machen, um in der Geistlichen Unterscheidung besser zu werden.

Welches ist Ihr Lieblingsgebet?
Sr. Nathalie: Ganz besonders liebe ich das Gebet von Ignatius von Loyola am Ende seiner „Geistlichen Übungen“. Dieses Gebet bringt alle meine Gebete auf den Punkt:
„Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurück und überlasse alles dir, dass du es lenkst nach deinem Willen. Nur deine Liebe schenke mir mit deiner Gnade. Dann bin ich reich genug und suche nichts weiter.“

An welchem Ort beten Sie am liebsten?
Sr. Nathalie: In der Kapelle unserer Gemeinschaft. Egal, ob eine unserer Gemeinschaften in einer Wohnung oder in einem großen Haus lebt, – wir wählen immer das schönste Zimmer aus, um dort die Kapelle einzurichten, und statten es sorgfältig liturgisch aus. Dieser schöne Rahmen unseres Gebetslebens, wo wir uns täglich treffen, um Laudes und Vesper zu beten, hilft mir auch in den Zeiten