Ignatianische Spiritualität

Alle, Heilige : EVO, Exerzitien im Alltag für 135 Studenten und junge Erwachsene in Frankreich

Seien wir alle heilig ! „Ich kam mit dem Glauben, dass ich Gott suchte, aber er war es, der mich zuerst suchte und fand.“ Zeugnis eines Teilnehmers

Das Haus Magis ist 2018 von den Jesuiten zur Begleitung junger Erwachsenen in ihrem spirituellen, beruflichen und sozialen Leben in der Schule des heiligen Ignatius von Loyola in Paris im Quartier Latin eröffnet worden.

Das Haus Magis bietet in Paris für diese jungen Erwachsenen zweimal im Jahr Exerzitien im Alltag an, die von den Übungen des heiligen Ignatius inspiriert sind.

Als ich in Paris lebte, habe ich diese Exerzitien mehrmals begleitet. Jedes Mal hatten sich fünfzig bis sechzig Personen angemeldet.

Diese Exerzitien sind für junge Menschen von jungen Menschen geleitet, die sie in den vergangenen Jahren selbst erlebt haben, unterstützt von erfahrenen Begleitern und Begleiterinnen von ignatianischer Spiritualität.

Es dauert  vier Wochen. Jeder verpflichtet sich, täglich zu beten, jede Woche an einer Sitzung mit einer Gruppe teilzunehmen und einen geistlichen Begleiter (in) zu treffen. Ziel ist es, das Gebet auf nachhaltige Weise in das tägliche Leben zu integrieren. Vier Wochen ? Es ist eine anspruchsvolle Erfahrung, aber sie trägt Früchte für denjenigen, der sich engagiert ! Persönliche Begleitung und Austausch in der Gruppe sind eine wirkliche Unterstützung.

Und in der Koronazeit, wenn es nicht mehr erlaubt ist, sich in Gruppen zu treffen? Nun, man muss kreativ sein!

So begann Mitte November die 2. Online-Sitzung mit Hilfe Zoom. 135 junge Menschen aus Frankreich und ein paar aus anderen Ländern haben sich angemeldet, um das Abenteuer zu wagen. Dazu haben sich 62 Begleiter (innen) zur Verfügung gestellt ! Und es läuft!

Jeden Dienstag treffen sich die 13 Austauschgruppen drei viertel Stunde dank Zoom und dann wird die folgende Woche eingeführt und die ignatianischen Methoden mit PowerPoint vorgestellt: das Vorbereitungsgebet, Ablenkungen im Gebet oder die Betrachtung einer Geschichte des Evangeliums oder noch das Gespräch am Ende der Meditation.

Jede Person erhält wöchentlich ein Heft mit den Gebetsvorschlägen für die Woche : klassische Betrachtungen des Evangeliums oder das Gebet mit einem Psalm, mit einer Ikone oder mit seinem Zeitplan, mit der Mailbox. So kann jeder erfahren, dass unser ganzes Leben Gebet werden kann. Ohne das wichtigste Gebet zu vergessen : das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, ein Rückblick auf die Woche, auf den Tag, das uns ermöglicht, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden…

Hier ist das Thema für jede Woche : 1. In Anwesenheit Gottes; 2. Ein Gott, der das Leben will; 3. Versöhnung mit Gott; 4. Zu den Brüdern und Schwestern gesandt.

Der heutige Zustand der Welt in der Korona-Krise fordert jeden heraus. Fragen zur Berufsorientierung, zum Beziehungsleben oder zur Berufung auftauchen. Welchen Sinn hat mein Leben? Was soll ich mit meinem Leben anfangen?

Ich bewundere, was möglich ist, trotz der Kontaktbeschränkungen und danke Gott für die guten Früchte dieser Exerzitien. Ich bin jedesmal eine staunende Zeugin dessen, was das Wort Gottes in den Herzen bewirken kann.

Sr. Françoise

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Sie waren drei

Dieses Gedicht wurde nach dem Anschlag in der Basilika Notre Dame de l’Assomption in Nizza geschrieben. Drei Menschen, drei treue Diener Gottes wurden ermordert.

Sie waren drei,           
gepflanzte Bäume         
im Gotteshaus           
Wächter des Tages           
und treue Diener.

Sie waren drei,           
gepflanzte Bäume           
im Gotteshaus           
demütige Gläubige           
und Morgenwächter.

Sie waren drei,           
aufgerichtete Bäume           
Betende Gottes           
sie beugten unter der barbarischen Klinge.

Sie war drei,
erhöhte Bäume          
Betende Gottes          
entwurzelt durch den Hass eines Mannes.

Sie waren drei,          
geschwisterliche Bäume        
Ihre Zweige          
voller Tränen, Hoffnungen und Freuden,          
mit denjenigen der ganzen Menschheit        
verflochten

Sie waren drei,         
geschwisterliche Bäume        
ihre Äste         
an den Vater gewendet,         
deren einzige Absicht         
ist, seine Kinder zu versammeln.

Sie waren drei,        
Bäume des Kreuzes        
mit den Armen nach dem Himmel ausgestreckt,           
um den Frieden zu flehen,       
die Arme nach der Erde geöffnet      
um alle zu umarmen       
in derselben Vergebung.

Sie waren drei,       
Bäume des Lebens,       
die stärker sind als jeder Tod       
Bäume des Lebens       
aufgestandene Frauen und Männer       
nun Jünger,       
ihrem Herrn gleichgestaltet.

Sie waren drei,      
wir werden Millionen sein     
wir werden Wälder sein,      
die glauben, immer und immer wieder       
und trotz allem       
und trotz uns       
an die Geschwisterlichkeit
 
Colette Hamza, xaviere
Oktober 2020

   

  

Ignatianische Spiritualität

Das Gebet der „liebenden Aufmerksamkeit“ in Corona-Zeiten

Hochzeit zu Kana

Wie wäre es, diese Corona-Zeit oder Zeit der Kontaktbeschränkungen zu nutzen, um als Paar oder als Familie oder sogar allein .das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“, zu beten. In einem Wort, ein Rückblick auf den Tag, um den Bund zwischen uns und mit dem Herrn zu erneuern und seine Spur, seine Gegenwart in unserem Alltag zu suchen und zu finden.

Hier sind 3 Vorschläge als Ehepaar, Familie oder allein. Sie wurden von Marie-Christine, Xavière-Schwester und Marie-Hélène, einer Laiin, für die Fachstelle „Geistiges Lebens“ des Bistums Marseille geschrieben.

1. Das Gebet der „liebenden Aufmerksamkeit“ als EHEPAAR

Macht es euch bequem; schaltet die Telefone aus; zündet eine Kerze an, als ob ihr den Herrn, unser Licht, zu diesem Austausch einladen wolltet. Wir nehmen uns die Zeit, einander zu sagen, wie es uns nach dieser Woche oder diesem Monat der Kontaktbeschränkungen, der Quarantäne geht. Was ist das vorherrschende Gefühl? Furcht, Sorge, Beruhigung, Zustimmung oder Einwilligung? Folgt dann den nachstehenden Hinweisen

Sich gegenseitig danken

Bei allem, was wir diese Woche oder diesen Monat gemeinsam durcherlebt haben: Was hat unser gemeinsames Leben aufgebaut?  Z.B.: die Abende oder die Momente als Liebende, die Tatsache, einander anziehend zu bleiben, ein gemeinsames Projekt, Unterstützung bei der Arbeit oder im Haushalt, das Gebet… Gab es glückliche, angenehme Überraschungen? Was habe ich über mich selbst, über dich entdeckt? Was habe ich von dir empfangen, bei der Arbeit oder Homeoffice Arbeit, oder gemeinsam zu Hause, bei Familien-Sorgen, das mir geholfen hat? Über all dies sprechen und sich gegenseitig danken.

Sich gegenseitig um Verzeihung bitten

Was war für mich schwierig, was hat mich in deiner Haltung traurig gemacht, wegen dessen, wer ich bin, oder wegen der Umstände, oder …? Wie habe ich dir durch meine Haltung, meine Worte wehgetan (dich verletzt) oder betrübt? Wie hast du das erlebt? Z.B.: mein Mangel an Planung und Organisation, das Gefühl, sich zu Hause um alles kümmern zu müssen, der Mangel an Dialog, Spannungen, Ärger… Ich versuche auszudrücken, was mich in Schwierigkeiten gebracht hat, wie ich mich gefühlt habe, ohne meinem Ehepartner die Schuld zu geben. Voller Einfachheit darüber reden, um Vergebung zu bitten.

Uns erneut erzählen, wie wir gemeinsam weitergehen möchten

Jeder kann dem anderen sagen, was er in der nächsten Woche tun möchte, um das gemeinsame Leben zu verbessern. Was würde mir helfen, besser diese Zeit zu leben? Was war es, das wir tun wollten, was wir nicht getan haben? Zuletzt wenden wir uns gemeinsam dem Herrn zu und bitten ihn um genügend Kraft für jeden Tag: körperlich, moralisch und geistig. Wir vertrauen ihm unsere Lieben und unser Leben an.

Abschließend beten wir gemeinsam das Vaterunser.

2. Das Gebet der „liebenden Aufmerksamkeit“mit der Familie

Nehmt euch die Zeit, euch bequem an einen Couchtisch hinzusetzen. Eine Kerze anzünden, um die Gegenwart Christi, unseres Lichtes zu bedeuten. Er ist bei unserem Austausch anwesend.

Am Anfang, uns gegenseitig danken : Jeder von uns stellt sich ein paar Fragen: Was hat mich in dieser Woche glücklich gemacht, was hat mich gefreut, was habe ich von den anderen in der Familie empfangen? Können wir uns z.B. für das gute Essen bedanken, oder für das gemeinsam zubereitete Dessert oder für die gemeinsamen Spielmomente, für die gemeinsam angeschauten Filme, für die Hilfe und Geduld von Mama/Papa bei den Hausaufgaben, für die Bemühungen der Kinder, die Arbeit oder die Ruhe der Eltern zu respektieren… Was Schönes habe ich an mir selbst oder an anderen entdeckt? Was habe ich gelernt zu tun? Um sich gegenseitig zu danken, drückt sich jeder, jede aus und hört den anderen zu, jedem der Reihe nach, ohne Unterbrechung?

In einem zweiten Schritt sieht sich jeder an, was für ihn schwieriger war, was ihm auf dem Herzen bleibt (er…hat) und was ihn traurig macht. Zum Beispiel: Ich wurde durch ein Wort oder eine Weigerung (eine Absage, ein Nein) verletzt, ich ärgere mich über die Hänseleien meines Bruders oder meiner Schwester, oder ich habe meine Hilfe in der Küche oder beim Putzen verweigert… oder es fehlte mir die Geduld… oder irgendetwas anderes, das eine schlechte Stimmung im Haus verursacht haben könnte.

Sich gegenseitig um Vergebung bitten : Den Herrn bitten, uns alle zusammen in seiner Liebe zu nehmen. Jeder Mensch lebt in dieser Zeit der Quarantäne und der Kontaktbeschränkungen auf andere Weise: für einige ist es leichter als für andere. Wir müssen uns gegenseitig als Familie helfen, um diese Zeit auf Dauer leben zu können. Deshalb teilt jeder den anderen mit, die Hilfe, die er (sie) braucht für die kommende Woche: z.B. meine Wünsche, meine Vorschläge, mein Bedürfnis, angehört zu werden, mein Bedürfnis nach Hilfe bei etwas…

Zum Schluss wenden wir uns an den Herrn. Jeder kann den Herrn ganz einfach um etwas bitten, ohne schöne Worte zu benutzen…Gemeinsam das Vaterunser beten, um unser Gebet zu beenden.

Mit einem guten Imbiss oder Dessert abschließen.

3. Gebet der liebenden Aufmerksamkeit allein

Einen ruhigen Moment finden, schalten Sie das Telefon aus, nehmen Sie sich die Zeit, sich bequem hinzusetzen, atmen Sie ruhig durch.

Hier bin ich: Im Angesicht Gottes, der mich erwartet. Ich komme, wie ich bin, mit allem, was ich trage, wie ich in dieser Zeit der Kontaktbeschränkungen bin: müde oder glücklich oder entmutigt, wütend oder erstaunt… Ich versuche das Gefühl, das in mir wohnt, zu benennen: Beschwichtigung, Zustimmung, Angst…? Ich bitte den Herrn um sein Licht, um mein Leben mit ihm erneut zu schauen.

Danke sagen: Ich schaue auf die letzte Woche oder den letzten Monat, um das Erleben, dass meine Geschichte mit Gott ist, zu kosten. Mir wird alles Gutes, das ich empfangen habe, bewusst. Es bringt mich dazu, dem Herrn zu danken, der die Quelle des Lebens und der Liebe ist. Zum Beispiel die schönen Gesten, die ich gesehen habe: eine Geste der Solidarität, der Applaus um 20 Uhr, ein erhaltener oder gegebener Telefonanruf, E-Mails und SMS, Videokonferenzen, eine Vergebung, die ich vielleicht gegeben oder erhalten habe, etwas Unerwartetes, ein Wort des Evangeliums, das ich für mich hörte, die Wortgottesdienstübertragungen, die Lesungen, die mich nährten… meine Fähigkeit, mich an diese Zeit anzupassen, meine Gelassenheit (die Ruhe),  meine Kreativität, …?  All dies wird zum Zeichen der Gegenwart und des Handeln Gottes im Laufe des Tages. Ich danke ihm.

Um Vergebung bitten: Ich schaue mir an, was eine Quelle der Traurigkeit, Bitterkeit und Entmutigung war. Zum Beispiel: meine Neigung aus Angst vor Mangel, Dinge anzuhäufen, meine Beschwerden, meine Ungeduld, meine Wut, meine Lust auf gar nichts, meine Abkapselung, meine Urteile über das Verhalten anderer Menschen. Vergib mir, Herr.

Bitte und Vorausschau: Um die Prüfung dieser Kontaktbeschränkungen oder Quarantäne auf Dauer durchzuhalten, brauche ich die Hilfe Gottes. Ich bitte ihn darum… Ich spreche zum Herrn über das, was mich erwartet, über meine Sorgen… Ich bitte ihn, mit ihm und durch ihn jede Begegnung, jedes bescheidene Ereignis zu leben.

Beenden : Mit dem Vaterunser oder einem Gebet des Vertrauens in Gottes Hände.