Sankt Ansgar Woche

Am 8.Februar 2020 hat das Fest der Kulturen in der Gemeinde Sankt Ansgar (Kleiner Michel) und der Katholischen Akademie Hamburg stattgefunden.

Kleiner Michel

Die Kirche

Das Kreuz

Die fremdsprachigen Gemeinden der Erzdiözese Hamburg haben eine festliche Vorabendmesse der Kulturen gefeiert.

Philippinen

Die Vielfalt der Kirche wurde uns zur Betrachtung gegeben: Lieder und Gebete sowie die Verkündigung des Wortes Gottes in verschiedenen Sprachen. Wir haben den Lobpreis Gottes auf Polnisch, Litauisch, Ukrainisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch, Koreanisch, Hindi, Ewe (Togo), Englisch und natürlich auf Deutsch, unsere gemeinsame Sprache gesungen. Es waren Menschen aus allen Kontinenten dabei. Jedes Jahr ist dieses Fest eine berührende Erfahrung : Christus ist es, der uns über unsere kulturellen Unterschiede hinaus zusammenruft.

Polen

Koreaerinnen

Nach der Messe haben wir nicht nur unsere kulinarischen Spezialitäten geteilt, sondern Musik, Gesang und Tanz. Wenn so unterschiedliche Kulturen zusammenkommen, ist das ein Geschenk Gottes. Die Freude war da, spürbar.

Unser Erzbischof Dr. Stefan Heße hat anlässlich des Ansgarfestes 2020 ein Hirtenwort über die Gastfreundschaft geschrieben. „Liebe Schwestern und Brüder! „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!“ (HEBR 13,2).“

An diesem Abend haben wir es in Taten gelebt.

Mit einem Mystikern

Dieses Jahr war das Triduum für Weihnachten ein bisschen ungewöhnlich: Es fand nach Weihnachten statt und wir haben uns nicht in einem Kloster aufgehalten, sondern sind einfach zu Hause geblieben. Maud, eine junge Xaviere aus Nizza war dabei.

Das Triduum fand mit lieblingsthemen von Maurice Zundel statt. Maurice Zundel (1897-1975) war ein Schweizer Priester, der zahlreiche theologische und mystische Schriften verfasste. Als mystischer Denker und unkonventioneller Theologe stand er in der Tradition des Personnalismus und des Franz von Assisi. Weil er „Querdenker“ sei, verbot ihm sein Bischof in Lausanne-Genf alle pastoralen Tätigkeiten und Aufgaben, so dass er immer unterwegs war: In Paris, London, Jerusalem, Cairo… 1965 erhält er trotzdem eine kleine Anerkennung:  Papst Paulus VI lädt ihn nach Rom ein, um die Fastenexerzitien zu predigen.

Stille, Gegenwart und Offenbarung

Für Zundel ist Gott eine lebendige Gegenwart im Herzen des Menschen: Gott ist „für uns innerer als wir für uns selbst“. Er wird in der Stille und Innerlichkeit entdeckt. Man muss zuerst mit sich selbst schweigen, um Gott zu begegnen. Zundel lädt uns ein, denjenigen, der im Kind der Krippe zu uns kommt, in tiefster Stille zu begrüßen, um Gott in uns wohnen zu lassen.

Darüber hinaus lädt er uns ein zu spüren, dass Gott schon da ist, dass er in uns lebt. Zu oft sind wir nicht da: wir sind von seiner Anwesenheit abwesend oder wir machen zu viel Lärm um uns selbst. Auch: „Es ist nicht an Gott, zu uns zu kommen (…). Es liegt an uns, zu Ihm zu kommen, uns seiner Gegenwart zu öffnen, die allein uns selbst gegenwärtig machen kann“.

Armut

In einem unendlichen Raum, leer, entkleidet, in Stille angeboten, entsteht die Gegenwart – die Gegenwart Gottes – und die Intimität wird ausgetauscht und in gegenseitiger Anerkennung offenbart, eine Quelle des Staunens und der Dankbarkeit. „Das Gottkind ist in unsere Hände gegeben, wie es seiner Mutter anvertraut wurde, um in uns zu leben“. Bewundern Sie das Geheimnis dieses armen Gottes, der sich uns aus Liebe hingibt.

Von der Krippe bis zum Kreuz wird Gott arm, damit wir für uns selbst geboren werden können. Gott trägt Risiken von der Krippe bis zum Kreuz, indem er sich unserer Freiheit übergibt. Das ist es, was Weihnachten bedeutet: unsere Geburt zu uns selbst – zu unserem authentischsten Wesen – ebenso wie die Geburt Christi unter uns: unter der Bedingung, dass wir ihn in uns geboren lassen!

Die Dreifaltigkeit bedeutet Selbstlosigkeit

Die Menschheit Christi, die gehört nicht sich selbst, sie ist unfähig, „ich“ und „ich“ zu sagen, unfähig, sich in sich selbst zu verschließen, sie ist unendlich offen auf der Seite Gottes und ebenso unendlich offen auf der Seite des Menschen und des Universums, und es ist diese Radikalisierung der Armut in Gott und in der Menschheit Jesu Christi, die man berücksichtigen muss, um in das Geheimnis Jesu einzutreten, es ist dieses Zusammenfließen dieser beiden unübertrefflichen Armut, jede in ihrer eigenen Ordnung, die Armut Gottes und die Armut der Menschheit Christi, es ist dieses Zusammenfließen dieser beiden Armut, das das Geheimnis Jesu ausmacht.

Gott spricht uns an

Wir lesen das Evangelium oft durch Formeln, durch vorgefertigte Kommentare, durch sehr ehrwürdige theologische Daten, dadurch laufen wir Gefahr, die ganze Neuheit dieser Worte, ihr  Entstehen, das ganze Leben und die ganze Verwandtschaft des Evangeliums auch bei uns nicht zu spüren.

Die Kirche hat uns zweifellos bewundernswerte Wege gezeigt, um Christus näher zu kommen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass das Dogma eine Person ist, ein Sakrament, das von innen heraus genommen werden muss, dass wir in das Herz unseres inneren Lebens gehen müssen, um genau diesen Worten ihren lebendigen Sinn zu geben, dass wir ihnen das Gesicht einer Person wiedergeben müssen: Jesus.

Franz Xaver und die Xaviere Schwestern

Am 3. Dezember zum Gottesdienst im Kleinen Michel hat Sr Béatrice diese Ansprache mit dem Thema gehalten : Wie Franz Xaver die Xaviere Schwestern anspricht.

1896 war Claire Monestès, unsere Gründerin, Schülerin der Damen des Heiligen Herzens. Diese haben mehrere Institutionen jenseits der Meere aufgebaut. Sie versäumen es nicht, mit ihren Schülern über den Heiligen Franz-Xaver zu sprechen. Claire bewundert diesen großen Heiligen und nimmt ihn als Vorbild. Als sich 1922 um Claire eine Gruppe mit einem Ordenslebenprojekt bildete, suchte sie nach einem Namen. Xavers missionarischer Eifer kam ihr wieder in den Sinn und der Name „xavière“ hat sich ihr geradezu angeboten.

Franz Xaver wurde 1506, zur Zeit der großen Entdeckungen, in Spanien geboren. Als Professor an der Pariser Sorbonne lernte er Ignatius von Loyola kennen, der ihn – nach viel Widerstand von Xaver – dazu brachte, sich zu bekehren und Christus als Gefährte Jesu, sprich als einer der ersten Jesuiten, zu folgen und ihm zu dienen. Franz-Xaver hat dann nur noch ein Ziel: Immer mehr für Christus zu tun.

Als unermüdlicher Reisender für die Sache des Evangeliums reist er 100.000 Km mit dem Boot, Pferd oder zu Fuß: die Küsten Afrikas, Mosambik, Indien, Malakka Japan. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der „Apostel von Indien“ zum Vorbild für Missionare, Männer und Frauen, die unter Lebensgefahr das Evangelium in der Ferne verkünden. In der Ferne, im Ausland, entdeckt Franz-Xaver allmählich, wie er den Menschen, mit denen er zusammenlebt, nahe sein kann; er lernt die Landessprachen, übersetzt den Katechismus, gründet christliche Gemeinschaften und ist auch den Seglern auf Booten nahe.

Er wird diese wunderbare Aussage machen, um zu sagen, dass er Jesus Christus zu diesen Menschen bringen wollte, aber dass er selber ihn letztendlich auf erneuerte Weise von ihnen empfangen hat.Diese Art, den Menschen nah zu stehen und Christus von ihnen zu empfangen, inspiriert unsere Art als Missionare tätig zu sein.

Claire Monestès träumt von fernen Horizonten, aber im Bewusstsein der Säkularisierung Frankreichs schreibt sie: „Lasst uns die Sorge um die haben, die Christus nicht kennen oder die weit von der Kirche entfernt sind“. Sie will La Xavière durch einen Geist und nicht durch ein Werk definieren: offen sein für die aufkeimenden Bedürfnisse, in Milieus gehen, die das Evangelium nicht kennen, Gott im Brausen der Welt entdecken.

Außerdem ist Franz-Xaver ein Mann des Gehorsams. Xaver träumt davon, weit weg zu gehen, aber Ignatius bittet ihn, bei ihm zu bleiben, für einen Job als Sekretär, in einem Büro. Franz-Xaver gehorcht. Aber plötzlich kann der Jesuit, der nach Indien gehen wollte, es nicht mehr tun, und Ignatius beauftragt Franz-Xaver, dahin zu reisen. Und Xaver gehorcht! Er erlebt dann den Gehorsam in besonderer Weise, da es mehrere Jahre dauerte, bis Briefe von Europa nach Asien gingen. Franz-Xaver wird z.B. nie die letzte Antwort von Ignatius erhalten, da er vor den Toren Chinas sterben wird, bevor die Post ankommt. Es geht dann darum, im Herzen treu zu bleiben, den Willen Gottes in allem zu unterscheiden und zu tun. Diese Dimension des Gehorsams als Horchen auf den Geist Gottes prägt die ignatianische und unsere Spiritualität. Er ist geistlich, aber auch missionarisch, da er die Quelle ist, aus der die Entscheidungen für die Mission getroffen werden.

Schließlich sind die Xavière-Schwestern von der Dynamik der geistlichen Übungen von Ignatius von Loyola geprägt. Diese, die Frucht der Erfahrungen von Ignatius, helfen jedem, in Gott verwurzelt und in der Welt eingetaucht zu bleiben. Und Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden. Wir haben uns entschieden, Christus Ruf inmitten des alltäglichen Lebens zu folgen, indem wir unseren Mitmenschen nahe sind, durch Nachbarschaft, durch unsere Arbeit in der Gesellschaft, in der Kirche und durch unsere verschiedenen Aufgaben.

Ich schließe mit einem Zitat von Claire Monestès: „Die Xavière-Schwester strebt nach einem flexiblen und intensiven Ordensleben; flexibel genug, um sich den neuen Bedürfnissen des Apostolats anzupassen; intensiv genug, dass der Teil Mariens nicht dem Marthas weicht und dass die apostolische Tätigkeit nur die Ausstrahlung, die Entfaltung der inneren Flamme ist.“