Transit – Ein Film von Christian Petzold

Als der Abspann von Transit begann, fühlte ich mich ein wenig verwirrt. Eigentlich fühlte ich mich  wie die Hauptfigur des 2018 herausgekommenen Films von Christian Petzold.

Der Film beruht auf dem autobiografischen Roman Transit von Anna Seghers. Diese jüdische und kommunistische Schriftstellerin musste aus Deutschland fliehen, als die Nazis an die Macht kamen. Sie fuhr mit ihrer Familie durch Paris und Marseille nach Mexico. Ihr 1944 veröffentlichter Roman handelt von einem Deutschen, der während des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten nach Frankreich flieht. Christian Petzold bleibt den Details des Romans treu und man erkennt deutlich die Ereignisse von 1940, aber er hat die Geschichte in Marseille der Gegenwart.

Die Hauptfigur des Filmes, Georg, ist ein politischer Flüchtling, der zuerst Zuflucht in Paris findet. Zum Zeitpunkt der Evakuierung der Stadt durch die französischen Behörden ist er zufällig im Besitz der Ausweispapiere und eines Manuskripts des bekannten Schriftstellers Weidel, der Selbstmord begangen hat. Georg flüchtet mit den Dokumenten per Güterzug nach Marseille. Dort will er Weidels Papiere abgeben, aber wird von dem mexikanischen Konsul für den Autor gehalten. Anstatt die Verwechslung aufzuklären, nimmt er die Visen und Schiffskarten, die für Weidel vorbereitet wurden. Vor der Abfahrt musst er noch einige Formalitäten erledigen. In Marseille trifft er Menschen, die verzweifelt eine Schiffspassage suchen. Diesen Flüchtlingen fehlt alles: Geld, eine sichere Unterkunft, menschliche Wärme und vor allem Hoffnung. Georg begegnet immer wieder einer geheimnisvollen Frau. Sie ist Weidels Ehefrau und sucht ihren Mann.


Petzolds Figuren sind wie Gespenster im heutigen Marseille. Niemand scheint sie zu bemerken. In zeitlosen Kleidungen sind sie dort, ohne dort zu sein, verwirrt, machtlos und ratlos. Für sie geht die Zeit nicht weiter. Ihre Vergangenheit interessiert niemanden und sie sind ohne Zukunft. Auch diese Geschichte ist zeitlos. Das ist die Geschichte der Flüchtlinge von damals wie auch von denen von heute.


Tatsache, dass der Film in einer Stadt gedreht wurde, in der ich gerade vier Jahre gelebt habe, verstärkt für mich das Gefühl der Aktualität. Der Film wurde an Marseilles Hafen und im Panier-Viertel gedreht. Während des Zweiten Weltkrieges war dieses Viertel, das aus engen Gassen und steilen Treppen besteht, ein Zufluchtsort für Widerstandskämpfer und wurde teilweise gesprengt. Aber die Hafenstadt ist auch heute noch ein Durchgangsort für viele Menschen, die einen Ort suchen, wo sie ein neues Leben anfangen können.

Mit diesem Film mit unscharfem Zeitbezug, durch das Mischen von Vergangenheit und Gegenwart, lädt uns Christian Petzold ein, über den Zustand der Flüchtlinge nachzudenken.

Sr Coralie

Eine Mitschwester des Ordensrats zu Besuch – 14.-20. Februar 2019

Jedes Jahr besucht uns unsere Generaloberin, die sich die Zeit nimmt, uns zu treffen und uns zuzuhören, und zwar über alles, was wir leben und erleben.

Und wir haben auch einen Besuch von einer Mitschwester des Ordensrats, die auch kommt, um „die Temperatur zu messen“, besonders im Hinblick auf die Mission jeder Einzelnen. Dieses Jahr kam Laurence aus Toronto – wo sie in einer Gemeinschaft lebt- um eine Woche bei uns zu verbringen, bevor sie für eine Sitzung des Ordensrats nach Paris flog.

Wir hatten ausgezeichnete Diskussionen. Was Toronto mit Hamburg verbindet, ist dass unsere beiden Gemeinschaften die einzigen unserer Kongregation sind, die außerhalb der französischsprachigen Welt leben, da in Toronto Englisch gesprochen wird. Es war gut, die Erfahrung zu teilen, sich in einer Fremdsprache durchzuboxen. Es fordert innere Empfindungen, um in eine andere Kultur einzutauchen, eine innere Bekehrung sogar. Aber überall geht es darum, Christus in uns und um uns herum wachsen zu lassen!

In Aktivoli mit Frau Monika Döring , Leiterin der Seemannsmission

Einer der Höhepunkte des Aufenthalts von Laurence war, gemeinsam zur Freiwilligenmesse Aktivoli, die am 17.02.19 in der Industrie- und Handelskammer hinter dem Rathaus stattfand, zu gehen. Es ist beindruckend, die Vielfalt der Freiwilligenarbeit in allen Bereichen zu sehen: Gesundheit, Soziales, Bildung, Kultur, Wissenschaft, Freizeit. Wir hatten den Eindruck, „das Herz der Stadt schlagen“ zu spüren. Und wir waren von so viel Großzügigkeit bewegt. Dass so viele Menschen dazu bereit sind, einen Teil ihrer Zeit zu opfern, um etwas mit anderen zu teilen und sich für ein besseres „Zusammensein“ einzusetzen, ist einfach überwältigend. Einige von uns haben Adressen mitgenommen und beabsichtigen, sich bei dem einen oder anderen der Freiwilligenangebote zu engagieren!

Europäischer Bürgerdialog

Am 11. Februar wurden die Einwohner Hamburgs zu einem Bürgerdialog über nachhaltigen Konsum und Verantwortung eingeladen. Etwa 100 Personen nahmen teil und zwei von uns waren dabei. Die Veranstaltung fand im Rathaus statt und wir konnten dadurch auch das Innere dieses schönen Gebäudes bestaunen.

Der Nachmittag fing mit einer Podiumsdiskussion an, bei der uns drei Experten in das Thema einführten. Danach haben wir uns in Arbeitsgruppen von etwa zwölf Teilnehmern aufgeteilt.

Drei Themen standen zur Auswahl: Mobilität, Lebensmittel und Kleidung. Innerhalb dieser Gruppen wurden gemeinsam Verbesserungsvorschläge für mehr Nachhaltigkeit erarbeitet.

Am Ende musste jede Gruppe im Plenum einen Vorschlag vorlegen. Von all diesen Vorschlägen wurde über einen aus jedem Bereich abgestimmt, der auf der Abschlussveranstaltung von EUROCITIES, dem „Mayors Summit“  am 21. März 2019 in Brüssel vorgestellt wird.

In seiner Enzyklika „Laudato Si’“ hob Papst Franziskus die Wichtigkeit der Sorge um unser gemeinsames Haus hervor. Es ist zwar notwendig mit kleinen alltäglichen Handlungen für die Schöpfung zu sorgen, aber es geht nicht nur um persönliche Entscheidungen, sondern auch um politische. Als Bürger fühlen wir uns oft machtlos, wenn es um politische Entscheidungen im Umweltbereich geht. Dieser Bürgerdialog hat es uns ermöglicht, an dieser politischen Reflexion teilzunehmen. Es war auch eine großartige Gelegenheit, zu entdecken, wie Politik funktioniert und die Komplexität der Debatten zu erkennen.

Wir haben uns gefreut, dass Menschen jeden Alters an diesen Fragen interessiert sind. Das Zuhören zwischen den Teilnehmern und die Beteiligung vieler junger Menschen an der Organisation dieser Veranstaltung ist ebenfalls Zeichen der Hoffnung.